L.s'l m ' ; iÜ, ■ /''"' w m " ^r\ ;v'/' r\T^ B ^m. Sä A ^ '\''. ^n^viM V. ■ :v*>>^-h ■ ■/^W/ ^A. w S\^ ' P 1 m •ff. ' ■/ 1 :: m m >i 'w;>afe^^ a^mm. ■'X^Y, f\C.iJh., :& ^^l^ f ibrarg of tlje Puscum Ol' COMPARATIVE ZOÖLOGY, AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. The gift of ^ f) No. J^3Z, \ I ^hj^^iy /^ - / '' Sil ZUNGS- BERICHTE DER GESELLSCHAFT NATURFORSCHENDER FREUNDE ZU BERLIN JAHROANtl 1882. BERLIN. In Commission bei R. Friedländkk und Sohn. NW. Carl-Strasse IL ^'^882. SITZÜNGS-BEHICHTE DER GESELLSCHAFT NATURFORSCHENDER FREUNDE ZU BERLIN. JAHROANO 1882. BERLIN, In CoMMissioN BEI R. Friedländer und Sohn. NW. Carl-Strasse IL 1882. I n li a 1 1 s - Y e r z e i c h n i s s aus dem Jahre 1882. AscHERSON, P. Vorlegung einiger von Herrn G. Schweinfurth aus Cairo ihm übersandten Pflanzenreste aus den neuerdings aufgefun- denen Sarkophagen mehrerer aegyptischen Könige der XVllI. his XX. Dynastie, p. 4. — Vorlegung aus dem mittleren Nordafrika stammender, dort zum Gerben benutzten Rohstoffe, p. 13. Bartels, M, Vorlegung einer Buschmannszeichnung, p I. Dames. lieber das Vorkommen fossiler Hirsche in den Pliocänabla- gerungen von Pikermi in Attika, p. 71. Dewitz, H. Erörterung der Frage: Wie ist es den Stubenfliegen und vielen anderen Insecten möglich, an senkrechten Glaswänden empor- zulaufen?, p. 5. ~ Weitere Mittheilung über den Kletterapparat der Insecten, p. 109. Eichler, A. W. lieber gefüllte Blüthen von Pkitycodon^ p. 20. — Vorlegung von Blättern des sogenannten „Bayon netgras" oder „Spa- niard" aus Neuseland , p. 21. — Siehe von Heldreich, p. 36. — Entgegnung auf die Abhandlung von Celakovsky „Zur Kritik der Ansichten von der Fruchtschuppe der Abietineen.", [), 77. - Siehe V. Heldreich, p. 113. Frank, A. B. lieber die Haarpolster in den Blattachseln der Ercilia (Bridgesia) spicata DC., p. 93. VON Heldreich, Th. lieber den Käfer des Propheten Elias, p. 36. — Beispiel von Hetei'ophyllie, beobachtet an Ceratonia Siliqua, p. 1 13. Hermes, 0. Zur Naturgeschichte des Aales, p. 37. HiLGENDORF, F. Einige carcinologische Mittheilungen , p. 22. - Vor- legung einer Spongilla ßaviatilis Lieberkühn wsly Japonica , p. 26. — lieber einen Apparat für mikroskopische geometrische Zeichnungen, p. 58. — lieber die Identität der Crustaceen-Gattungen BracJtynotus und Ileterograpms^ p. 68. Ludwig, F. Mykologische Beobachtungen, p. 132. IV Inhalts -Verzeicimiss. Magnus, P. Ueber senkrecht in der Erde aufgerichtet stehende Blatt- spindehi abgefallener Blätter von Juglam nigra, p 26. — Ueber die mit Herrn N. Wille gemeinschaftlich untersuchten, auf der Süss- wasserschlange Herpeton tentaculatum Lacepede aus Bangkok in Siam wachsenden Algen, p. 99. - Siehe Ludwig, p. 132. VON Härtens, E. Vorzeigung einer für Deutschland neuen Art von Landschnecken, p. 28. — Ueber von Herrn Apollo Kuschakewitz gesammelte central-asiatische Land- und Süsswasserschnecken, p. 103. — Vorzeigung zweier neuer Arten von Meer-Conchylien von der Expedition S. M. Seh. Gazelle, p. 107. - Ueber von den Gebrüdern Krause in Amerika gesammelte Conchylien , p. 138. - Einige Be- merkungen über die Fauna des schwarzen Meeres, p. 151. Nehring. Ueber den sogenannten Wolfszahn der Pferde, im Hinblick auf den genealogischen Zusammenhang der fossilen und lebenden Equiden , p. 31. - Einig« nachträgliche Bemerkungen über den Wolfszahn der Equiden, p. 47. Ueber Ulna und Fibula der Equi- den, p. 5t). — Vorlegung einiger fossiler Wildesel - Reste aus dem Diluvium von Westeregeln, p. 53. — Ueber einige C'rtWis-Schädel mit auffälliger Zahn-Formel, p. G5. — Ueber Halychoerus grypus, p. 117. Peters, W. Ueber neue Batrachier der Gattungen Hyperolius und Limnodytes (Hylorana) aus Africa, p 8. — Ueber eine neue Art oder bemerkenswerthe Varietät der Schlangengattung Macroprotodon GuiCHENOT, M. maroccanus, aus Marocco, p. 27. — Ueber die von Herrn Dr. E. Riebeck auf Socotra gesammelten Reptilien, p. 42. — Ueber Batrachier, insbesondere über die soeben veröffentlichte zweite Auflage des Catalogs des Batrachia salientia s. ecaudata des British Museum von Herrn G. A. Boulicnger, p. 60. - Ueber drei neue Arten von Mormyrus aus Ost- und West -Afrika und eine neue Art von Ciarias aus West -Afrika, p. 72. — Ueber eine neue Art von Lagomys von der Tschuktschenhalbinsel, p. 95. — Ueber eine neue Gattung von Batrachiern , Hylonomus. aus Bo^oik, p. 107. — Schlägt vor, den Namen der Batrachiergattung Hylonomns in Hyloscirtus zu ändern , p. 127. - Vorlegung zweier neuen Arten von Schlangen, Microsoma notatum und Liophis Ygraecitm, p. 127. — Vorlegung einer neuen Art der urodeleu Batrachier, Oedipus yucatanus, aus Yukatan (Centralamerica) , p. 137. - Vorlegung dreier neuen Ba- trachier (A)nblystoma Krausei, Nyctibalrachus sinensis, Bufo Buchneri), p. 145. - Ueber das Vorkommen von Pterygoidal- und Palatinal- zähnen bei einigen Uropeltacea, p. 148. Rabl - Rückhard. Ueber die Entwickelung des Kuocheufischgehirnes, p. 54. ScHACKO, G. Ueber Vorkommen vollkommen ausgebildeter Embryonen bei einer Rhizopode, Feneroplis proteus d'Orb., p. 130. - Voi-legung von 11 durch Herrn Lasard aus der Nordsee eingesandten Saud- proben, p. 149. Inhalts -Verzeicimtss. ^ Studer, Th. Ueber eine neue Art Arcturm und eine Gattung der W.!ri;K:"'ü;ber'das Ergebniss zweier im bota.^chen Institute des Herrn Professor Schvvendener ausgeführten Untersuchungen, p. 37. Wille N Siehe P. Magnus, p. 99. . WiTTMACK, L. Ueber die Wirkung des Milchsaftes von FtcusC^wa, Z besonderer Rücksicht auf eine kürzlich erschienene Arbeit von A. Hansen, p. 38. - Ueber eine Eigenthünilichkeit der Bluthen von Hordeum bulbosum L., p. 96. Nr. 1. 1882. Sitziings - Bericht der Gesellschaft natiirforschender Freunde zu Berlin vom 17. Januar 1882. Director: Herr Peters. Herr MAX BARTELS legte eine Buscilinanns Zeich- nung vor. Er besprach zuerst die die Anthropologen seit langer Zeit in hohem Grade interessirende Frage, ob Völker, welche sich auf einer so niedrigen Stufe der Cultur befinden, dass sie noch nicht einmal die Metalle zu bearbeiten verstehen, im Stande sein könnten, Zeichnungen u. s. w. auszuführen. Die Veranlassung zu dieser Frage gaben die Höhlenfunde der Herren Christy und Lärtet in der Dordogne, wo sich unter Steinwerkzeugen der rohesten Art bearbeitete Knochen dort ausgestorbener Thiere (Mammuth, Renthier) fanden, welche mit Thierzeichnungen geschmückt waren. Derartige Funde wiederholten sich nicht nur in derselben Gegend, sondern auch in den Pyrenaeen und in England. Abbildungen solcher Stücke , eines ein Mammuth und ein anderes eine Gruppe kämpfender Renthiere darstellend, wurden vorgezeigt. ^) Auch in dem K e s s 1 e r 1 o c h bei T h a y i n g e n , in der Nähe von Schaffhausen, fand man unter den gleichen Verhältnissen ähnliche Stücke auf Renthierknochen. Unter diesen ist be- sonders berühmt ein mit grosser Naturwahrheit in den Knochen 1) JohnLubbock, Die vorgeschichtliche Zeit, übers, von A. Passow. Jena 1874. Bd. II. pag. 44. 1 2 Gesellschaft naturforschender Freunde. eingeritztes weidendes Renthier (dass sich auf den einen vor- gestreckten Vorderfuss stützt und den anderen eben vom Boden abhebt) und der voll gearbeitete Kopf eines Moschus- ochsen. (Beide wurden in Photographie vorgelegt.) ^) Unter denjenigen , welche die Echtheit dieser Funde be- zweifelten , war einer der eifrigsten Professor Lindenschmit in Mainz, und es gelang ihm auch, zwei Stücke aus Thay In- gen als Fälschungen zu erweisen. Es ist die Darstellung eines Fuchses und eines Bären, wozu die zweifellosen Originale sich in einer von dem bekannten Thiermaler Leutema>\n illustrirten Jugendschrift befinden. (Beides wurde in der Nachbildung von V. Hellwald vorgelegt.) -) Diese Stücke befinden sich aber auf Knochen des Rindes und nicht des Renthiers und wurden erst später Jemandem verkauft , nachdem der eigentliche Thayinger Fund schon gemacht und bekannt geworden ^var. Es ist somit gegen die Echtheit der übrigen Stücke hierdurch nichts bewiesen. Die Vertheidiger der Echtheit der früher erwähnten P'unde suchten nun nach Analogien bei den jetzt lebenden Völkern und fanden solche bei den Eskimo und den Buschmän- nern. Beide Völker stehen auf einer ausserordentlich niedrigen Entwickelungsstufe der Kultur, beide befinden sich noch in der Steinzeit und dennoch besitzen sie in hervorragendem Maasse die Fähigkeit, die sie umgebende Thierwelt naturwahr und in charakteristischer Weise durch Zeichnung wiederzugeben. Von der Kunst der Eskimo finden sich Proben bei Lübbock ^) (sie wurden vorgelegt). Es sind Darstellungen von Renthieren und Hunden u. s. w. Die Buschmänner sind berühmt durch ihre Thierzeichnungen , welche sie an Felswänden anbringen. Eine Skizze solcher bemalten Felswand findet sich in dem Werke des Missionsdirectors Wangemasn über Südafrika*) ^) Bericht über die VIII. allgemeine Versammlung der deutschen Anthropologischen Gesellschaft zu Constanz. Correspondenzblatt der deutschen Gesellschaft für Anthropologie etc., November 1877. ■^) WiLH. Baer und Friedr. v. Hellwald, Der vorgeschichtliche Mensch, zweite Aufl. Leipzig 1880. pag. 485. 3) a. a. 0. Bd. II. pag. 211. ^) VVangemann, Südafrika und seine Bewohner. Berlin 1881. Mit 80 Täfeln. Tafel 37. Sitzimy vom 17. Januar 1882. 3 (es wurde vorgelegt). Vortragender verdankt nun der Ge- fälligkeit des hiesigen Missionshauses die Gelegenheit, der Ge- sellschaft eine farbige Zeichnung vorzulegen, welche von einem Buschmann ausgeführt worden ist. Sie zeichnet sich bei aller Rohheit der Ausführung doch durch die ausserordent- liche Charakteristik der einzelnen Thiere aus, so dass es sofort gelingt, dieselben bis auf die Species genau zu bestimmen. Die Darstellung zeigt mehrere Boers auf der Jagd, theils zu Fuss, theils zu Pferde, begleitet von ihren Hunden; von der Büchse machen sie ausgiebigen Gebrauch. Unter den Thieren erkennt man den Löwen, den Strauss, das Zebra, das Warzen- schwein (i)hacüchoerus aethiopicus) und mehrere Antilopen, unter denen ein Paar Elenantilopen (boselaphus oreas) und zwei Exemplare von der Kuhantilope oder dem Haartebeest (acro- notus kaama) unverkennbar sind. Der Einwurf des Herrn Beyrich, dass der Zeichner dieses Bildes schon die Einwirkungen europäischer Cultur genossen habe, wurde anerkannt. Die Zeichnung ist auf Papier und mit europäischen Farben ausgeführt. Trotzdem muss aber die künstlerische Leistung als eine hervorragende bezeichnet wer- den. Zum Vergleiche und zum Beweise für das soeben Ge- sagte, wurde die Abbildung einer Kopfstütze der Kaffern gezeigt ^), über welche nebst anderen Gegenständen Herr Mis- sionar Nal'haüs in der hiesigen anthropologischen Gesellschaft gesprochen hatte. Auf derselben ist eine menschliche Figur und eine Warneidechse dargestellt. Beide Darstellungen sind aber viel roher und stehen sehr weit hinter der Buschmanns- zeichnung zurück, obgleich die Verfertiger seit langer Zeit in engster Berührung mit der Cultur der Weissen sich befunden haben. Die Figuren auf der Buschmannszeichnung sind fast alle in Bewegung dargestellt. Das entspricht dem vom Zeich- ner gewählten Gegenstande (der Jagd); es bietet aber gleich- zeitig auch eine weitere Analogie zu den prähistorischen Knochenzeichnungen , bei denen ebenfalls stillstehende Figuren zu den grössten Seltenheiten gehören. 1) Zeitsclir. f. Ethnologie, Bd. XII (1881) Taf. IX. 4 Gesellschaft iiatnrfor sehen der Freunde. Herr P. ASCHERSON zeigte einige von Herrn G ScHWEiNFURTH aus Cairo ihm übersandte Pflanzen reste ans den neuerdings aufgefundenen Sarko phagen mehrerer aegyptischen Könige der XVIII bis XX. Dynastie (vergl. Sitzungsbericht October 1881 pag. 131) vor: 1. Blätter von Salix Safsaf Forsk. , einer an den Nilufern einheimischen Weiden -Art, welche noch heut in Aegypten, auch in den Oasen, häufig angepflanzt wird. Aus den eingerollten Blättern dieser Art hergestellte Agraffen dienten, um die Blumen, resp. Blumenblätter in den Todten- kränzen festzuhalten. Diese Blätter, deren Alter sich genau auf 3437 Jahre angeben lässt, stimmten in Textur und Ner- vatur genau mit zum Vergleich vorgelegten , von EhreiNberg und ScHWEiNFüRTH gesammelten Herbar-Exemplaren überein. 2. Blumenblätter von Älceaficifolia L., einer im Orient (aber nicht in Aegypten) einheimischen, auch bei uns nicht selten in Gärten cultivirten Art, die der gewöhnlichen Stockrose, A, rosea L., ziemlich nahe steht , und wie diese in verschiedenen Farben (gelb , rosa und weiss) blüht. Sie. ist gegenwärtig in Aegypten in den Gärten der Eingeborenen sehr häufig angepflanzt und verwildert zu finden, und bietet die Auffindung der Blüthen in den Königsgräbern wieder einen Beweis für die conservativen Gewohnheiten der Nilthal - Be- wohner, auch in Bezug auf die Wahl einer Culturpflanze , die vermuthlich stets als Arzneipflanze und wegen ihrer ansehn- lichen Blumen geschätzt wurde. Die einzelnen Blumenblätter wurden der Länge nach gefaltet und dann quer eingebogen über den zum Flechten benutzten dünnen Palmblattstreifen gelegt, und haben sich so, trotz ihrer zarten Consistenz, ver- hältnissmässig sehr gut erhalten. Sie sind durch den an bei- den Seiten des Nagels befindlichen Bart sehr kenntlich, wel- cher zu den „Schutzmitteln der Blüthen gegen ungebetene Gäste" gehört. Sitzung vom 11. Januar 1882. 5 Herr H. DeWITZ erörterte die Fraae: Wie ist es den Stubenfliegen und vielen anderen Insecten mög- licli, an senkrecliten Glaswänden emporzulaufen? Sehr verschiedene Ansichten sind hierüber ausgesprochen. Nach der Ansicht der einen ist es die Rauhigkeit des Glases, welche es den betreffenden Insecten ermöglicht, sich mit den feinen, an ihren Fusssohlen stehenden Härchen festzuklammern. Doch zeigt auch selbst gewöhnhches Fensterglas unter dem Mikroskop keine derartigen Unebenheiten. Nach der Ansicht der anderen sollten die Fusssohlen, welche sich oft lappenartig zu den sogenannten Haftlappen erweitern, wie Saugnäpfe wirken. Dieses ist ebenso unrichtig, da sich nichts von der Einrichtung eines Saugnapfes findet. Die untere Fläche der Haftlappen ist nicht glatt, sondern mit Haaren besetzt, kann sich also der Glasscheibe nicht luft- dicht anlegen; auch fehlen die Muskeln, welche zum Functio- niren einer Saugscheibe erforderlich sind. Ueberdies zeigte Blackwall ^), dass Fliegen auch unter der Luftpumpe an senkrechten Glaswänden emporkriechen, es mithin nicht Saug- scheiben sein können, welche diese Thiere zum Klettern be- fähigen. Dieser Forscher behauptete nun, dass aus den Spitzen der Härchen, welche die Fusssohle oder die Haftlappen be- setzen und jetzt allgemein als „Taststäbchen" angesehen wer- den, ein Klebestoff hervorquelle, durch welchen die Füsse des Thieres an der senkrechten, glatten Fläche befestigt würden. ^) 1) Transact. Linnean See. XVI. (1833) pag. 487 ff. t. 31 u. pag. 767 ff. — Annals Nat. Eist. XV. 1845. pag. 115. — Müller's Archiv f. Anat. etc. 1834. pag. 76. Erichson, Bericht über die wissensch. Leistungen im Gebiete der Entoiu. während 1845, pag. 7. 2) Doch muss schon vorher diese Ansicht geäussert sein ; denn KiRBY und Spenze (Einleitung in die Entomologie, deutsch, Stuttgart, 1824, IL, pag. 363) sagen: „dass Mucken an senkrechtstehendem Glas, „und überhaupt gegen ihre Schwere gehen können, ist lang eine Quelle „der Verwunderung und Untersuchung gewesen; und sehr verschieden „waren die Meinungen der Gelehrten darüber. Einige sahen die Saug- „näpfe an den Füssen dieser Thiere für Schwämme an, mit einer Art „Kleber gefüllt, durch den sie an solchen Oberflächen sich anheften G Gesellscliaft naUtrforschender Freunde. Als Beweis führte er an, dass bei einem auf das Bein aus- geübten Druck aus den Härchen der Haftlappen eine an der Luft erhärtende Flüssigkeit hervorquelle. Auch fand er Spuren dieses RlebestofFs an senkrechten Glaswänden, an denen In- secten umhergekrochen waren. Spence ^) schloss sich dieser Theorie an. Eine wie geringe Verbreitung oder wie wenig Anklang dieselbe jedoch fand, geht daraus hervor , dass sie von unseren neueren Hand- büchern gar nicht berücksichtigt wird. Nur Graber ^j sagt, ohne jedoch näher auf den Gegenstand einzugehen: Zu den Chitinhakeu gesellen sich dann häufig noch allerlei Lappen und Ballen von klebriger Beschaffenheit, mit deren Hilfe die Insecten sich gleichsam anleimen. Nach v. Siebold ^) bedarf die Richtigkeit der Behauptung noch einer genaueren Prüfung. Es verlohnte sich also der Mühe, die Verhältnisse näher in's Auge zu fassen. Meine Untersuchungen haben mich belehrt, dass Blackwall vollkommen Recht, hat. Um den Austritt der Flüssigkeit direct zu beobachten , was Blackwall nicht gethan hat , befestigte ich das Insect auf der unteren Seite einer dünnen Glasplatte, indem ich das eine Ende eines Papierstreifens auf die Flügel des Thieres, das andere an die Glasplatte klebte. Letztere ruht auf einigen ihr aufgeklebten Korkstückchen, deren Höhe die des zu beobachtenden Insects etwas übertreffen. Die mit den Korkfüssen versehene Glasplatte setzt man auf den Tisch des Mikroskops, so dass also die Bauchseite des Insects nach oben gekehrt ist, und man die Unterseite der Haftlappen beobachten kann. Man sieht dann deutlich, dass die Spitzen der Härchen, welche die Haftlappen besetzen, einen glashellen Stoff absondern, der den Fuss an der Fläche des Glases be- „können." — Auch machte mich HeiT Professor Ascherson darauf auf- merksam, dass in einem satirischen Roman von Swift, Gulliver's Reisen , schon am Antauge des vorigen Jahrhunderts von einer klebri- gen Materie gesprochen wird,, welche nach Aussage der Naturforscher die Fliegen befähige, an den Zimmerdecken umherzulaufen. 1) Transact. Ent. Soc, London, IV., 1845—47, pag. 18. 2) Insecten I. pag. 176. 3) Lehrbuch der vergl. Anatomie, I. (1848) pag. 563, Anm. 4. Si(2yng vom 17. Januar 1882. 7 festigt. Wird der Fuss losgerissen, um an einer anderen Stelle befestigt zu werden, so sieht man die zurückgelassenen Tröpf- chen des Klebestoffs auf der Glasplatte, in derselben An- ordnung, wie die der Härchen der Haftlappen. In die Höh- lung und Mündung der Hcärchen tritt der Klebestoff jedenfalls aus Hautdrüsen , welche Leydig ^) gerade in den Haftlappen in zahlreicher Menge aufgefunden hat. Jedoch kann ich über diese Drüsen , da meine Untersuchungen noch nicht abge- schlossen sind, augenblicklich nichts Bestimmtes sagen. Oft, so z. B. bei den Wanzen, fehlen die Härchen, und der Klebe- stoff tritt dann direct aus den Poren der Haftlappen nach aussen. Auch viele Larven nehmen einen Klebestoff bei ihrer Fortbewegung zu Hilfe, die Muscidenlarven, indem sie ab- wechselnd das hintere und vordere Ende festkleben , die Larve des Erlenblattkäfers (und wahrscheinlich auch vieler anderer Crysomehden), indem sie das x\fterende mid die mit Ballen versehenen 6 Brustfüsse befestigt. Auch wäre es den sprin- genden Dipterenlarven (z. B. Cecidomyien), ohne dass sie das Kopfende festklebten, nicht möglich, die Sprungbewegung aus- zuführen. -) Wohl die Hälfte der ausgebildeten Insecten klettern ver- möge des KlebestofFs, wohl die allermeisten Dipteren und Wanzen , eine grosse Anzahl von Hymenopteren und Coleop- teren und wohl auch die Orthopteren, welche wieder springen noch fliegen. Unzählige Insectenarten wären ohne den Klebestoff nicht im Stande, an Sträuchern und Blumen emporzuklimmen und von einer Blüthe zur anderen zu wandern oder in einer Blüthe umherzukriechen und so die Befruchtung zu vollziehen. Wir ersehen hieraus, eine wie grosse Rolle dieses Klebemittel nicht allein im Leben der Insecten, sondern auch im Haus- halte der Natur spielt. 1) Müller's Archiv für Anatomie etc., 1859, pag. 35 u. 38. Zur Anatomie der Insecten. 2) Auch die Ballen an den Zehenspitzen des Laubfrosches sind nach v. Wittich keine Saugscheiben, sondern wirken vermöge eines klebrigen Schleims ebenfalls nur durch Adhäsion. - Dasselbe gilt wohl von den Haftlappen der Geckonen. 8 GeseUschaft naturforschender Freunde. Herr W. PETERS machte eine Mittheilung über neue Batrachier der Gattungen Hyperolius und Lim- nodytes (Hylorana) aus Africa. ') Hyperolius vari egatus n. sp. Kopf so lang wie breit, Schnauze von der Länge des Augendurchmessers. Trommelfell klein, unter der Haut ver- steckt. Pupille elliptisch horizontal. Körper oben glatt, am Bauche granulirt, Postgularfalte , Postpectoralfalte und Tem- porofemoralfalte wohl entwickelt. Oben braunschwarz, mit grossen goldgelben Flecken und Streifen. Lippenrand, Aussenseite des Vorderarms, des Unter- schenkels und des Fusses schwarz mit goldgelben, rothpupil- hrten Flecken. Oberarm, Oberschenkel, Unterseite des Kör- pers und der Gliedmassen blutroth, Submentalgegend gelb marmorirt. Iris metallisch. Aus Mo^ambique (Cabaceira, Quellimane, Inhambane). Hyperolius v ermiculatus n. sp. Kopf breiter als lang, Schnauze kürzer als der Augen- durchmesser. Trommelfell versteckt. Pupille elliptisch hori- zontal. Körper oben glatt, unten granulirt. Postgularfalte, Postpectoralfalte und Temporofemoralfalte entwickelt. Oben, an den Körperseiten, an der Aussenseite des Ober- armes, Vorderarmes, der Hand, des Unterschenkels und des Fusses ziegelroth mit wurmförmigen gelben Linien , welche am Rande hie und da schwarzes Pigment zeigen. Unter- seite gelb. Ein Exemplar aus M alange (x\ngola) durch Herrn Major VON Mechow, in diesen Sitzungsberichten (1881 pag. 120) als H. marmoraius Rapp bezeichnet, ein zweites, weniger fein ge- 1) Ich erlaube mir, bei. dieser Gelegenheit zu bemerken, dass ich den Namen für die von mir (Monatsberichte d Königl. Akademie der Wissensch. zu BerHu, 1880, pag. 223) Hylomantis genannte Gattung in Drymomantis umgewandelt habe, da ich den ersten Namen bereits für eiue andere Gattung verwandt hatte (l. c. 1872. pag. 772). Sitzung vom 11. Januar 1882. 9 zeichnetes Exemplar, ebenfalls aus Mal ange von Herrn Schutt. Es dürfte dieselbe Art sein , welche auch Herr Barboza du BocAGE (Jornal de Sciencias mathematicas, physicas e naturaes. Lisboa. I. 1866. pag. 38) ebenfalls als H. marmoratus Rapp var. A. bezeichnet hat. Die letztere Art ist aber durch einen schmäleren Kopf, durch die Farblosigkeit der Körperseiten und des Oberarmes verschieden. Hyp er olius striolatus n. sp. Kopf breiter als lang, Schnauze kürzer als der Augen- durchmesser. Trommelfell versteckt. Pupille horizontal. Körper oben glatt, unten granulirt. Oben, an den Körperseiten, Aussenseiten der Glied- massen , mit Ausnahme des Oberarms und Oberschenkels, rostfarbig, schwarz punktirt und gestrichelt, Unterseite, Ober- arm und Oberschenkel rostgelb. Ein Exemplar aus Taita, von J. M. Hildebrandt. Limnody tes bravanus n. sp. Vomerzähne zwischen dem vorderen Theile der Choanen, ebenso weit von einander, wie von den Choanen entfernt, nach hin- ten etwas convergirend. Choanen kleiner als die weiten Tuben- öffnungen. Zunge hinten gabelförmig. Kopf merklich länger als breit, Nasenlöcher gleich hinter der abgestutzten Schnauze, welche ein wenig länger ist, als der Augendurchmesser. Trom- melfell wenig kleiner, als das Auge. Körper oben glatt, am Bauche, wie die Unterseite der Oberschenkel, granulirt, mit einer wohlentwickelten Postpec- toralfalte. An jeder Seite des Rückens eine schmale Drüsen- linie. Vordere Extremität bis an das Ende des Körpers reichend; der erste Finger länger als der zweite, kaum kürzer als der vierte, hinter dem längsten dritten zurückstehend. Sämmtliche Finger frei und mit nur kleinen Haftscheiben versehen. Hin- tere Extremität ragt mit dem Hacken bis an die Zügelgegend. Die dritte Zehe überragt nur wenig die fünfte , während die vierte um zwei Fünftel länger als dieselbe ist. Nur halbe 1* \Q Gesellschaft naturforschender Freunde. Schwimmhäute , welche an die Basis der zweiten Phalanx der vierten Zehe gehen. Haftscheiben an den Zehenspitzen sehr klein. Oben olivengrün , mit schwarzen Flecken , welche einen unregelmässigen Mittelstreifen bilden. Eine schwarze Binde unter dem Canthus rostralis, welche hinter dem Auge breit an den Oberschenkel geht und in der hinteren Hälfte hell gefleckt ist. Untere Körperseite, vordere und hintere Seite des Ober- schenkels schwarz und gelbweiss marmorirt. Aussenseite der Gliedmassen schwarz gefleckt und gestreift. Unterseite schmutzig gelb. Totallänge 7 cm; Kopflänge 23 mm; Kopfbreite 19 mm; vordere Extremität 47 mm; Hand mit 3. Finger 20 mm; hin- tere Extremität 113 mm; Fuss mit 4. Zehe 54 mm. Zwei weibliche Exemplare aus Brava, von J. M. Hilde- brandt. Es ist dieses die erste aus dieser Gattung bekannt ge- wordene Art von der Ostküste Africas. Sie hat einige Aehn- lichkeit in der Vertheilung der Farben mit L. malaharicus, welche sich aber auch durch den viel breiteren Kopf und die einander mehr genäherten Vomerzähne unterscheidet. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Monatsberichte der Königl. preuss. Akad. der Wissenschaften, November 1881. Leopoldina, XVH, 23—24. December 1881. Abhandlungen der naturf. Gesellschaft zu Görlitz, Bd. 17. 1881. Verhandlungen des naturwissensch. - medicinischen Vereins zu Heidelberg. Bd. 3, Heft 1. 1882. Correspondenzblatt des Naturforscher- Vereins zu Riga, XXIV. 1881. Atti della R. Acad. dei Lincei. Transunti, VI., 2 — 3. 1881 — 1882. Anniversary Memoirs of the Boston Society of Natural History, Fiftieth Anniv. 1880. Boston. Sitzung vom 17. Januar 1882. 11 Report of the Commissioner of Agriculture for the years 1878 and 1879. Washington, 1879-1880. Bulletin of the Museum of Comparative Zoology, VI., 12. Cambridge, 1881. Annual - Report of the Curator of the Museum of Compar. Zoology. Cambridge, 1881. Bulletin of the Essex Institute, XIL, 1—12. Salem (Mass.) 1880. Visitor's Guide to Salem (Mass.). 1880. Science Observer, III, 35. Boston, 1881. Druck von J. F. Starcke in Berlin. Nr. 2. 1882. S i t z u n g s - B e r i c h t der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin vom 21. Februar 1882. Director: Herr Peters. Herr P. ASCHERSON legte folgende aus dem mittleren Nordafrika stammende, dort zum Gerben benutzte Pflanzen- Rohstofie vor: 1. Beutelgallen der tripolitanischen Tere- bintlie , von Herrn Gottlob Adolf Krause aus Tripolis ein- gesandt, nach dessen Angabe dieselben arabisch 'afs-el-batüm^) P»^liJf (j Strobus, Nadeln noch in der Niederblattscheide verborgen. B Deckblatt, Vi und Vs die beiden Vorblätter, 1, 2, 3 etc. die Niederblätter der Scheide, in der Folge der Ziffern. Vergrösserung von Fig. Ill a = f , von Fig. IV a = i. Sitzung vom 20. Juni 1882. 91 ben dabei immer weit auseinander; ein Ueberdecken findet bei ihnen nirgends statt. Auch steht das nächstfolgende Blatt des Sprosses (in den Figuren III und IV mit 1 bezeichnet) ausnahmslos auf der Rückseite, wie bei der Fichte und den übrigen Abietineen; es besteht überall also eigentlich der gleiche Zweiganfang, nur dass die Vorblätter je nach Beschaffen- heit des Deckblatts bald nach vorn, bald ein wenig nach hinten, gewöhnlich aber nach vorn von der Transversalstellung ab- weichen. Im Uebrigen will ich nicht unterlassen, zu bemerken, dass hier bei Pinus doch eigentlich auch eine gute Phantasie dazu gehört, die grosse dicke Fruchtschuppe aus den winzigen, kaum 1 Millim. erreichenden Vorblättern hervorgehen zu lassen; selbst CblakovskY möchte wohl Abstand davon nehmen, hier, wie er bei der Fichte versucht hat, die Identität beider Dinge schon aus der äussern Aehnlichkeit zu demonstriren. Allein die Monstrositäten bei l^suga Canadensisl Nun, ich kenne dieselben nicht, sie scheinen überhaupt noch von Nie- manden, ausser von Engelmann beobachtet zu sein und es wäre daher wünschenswerth, dass er dieselben abbildete und genau beschriebe; aus den obigen, kurzen Angaben kann man doch nichts Sicheres entnehmen. Aber ich habe von einer andern Tsuga, der Ts. /Jrunoniana, Abnormitäten kennen gelernt, und es mag nunmehr nicht überflüssig sein, einige derselben in Fig. V bis IX zur weiteren Kenntniss zu bringen ^). Man sieht über- all auf der Innenseite der Fruchtschuppe eine Knospe, bei V nur als schwache Protuberanz, bei den übrigen in gewöhnlicher Knospenform ; dabei sind die Schuppen mehr oder weniger verbogen und gelappt, in V nur ganz unbedeutend, bei VI und VII beträchtlicher; in den Fällen VIII und IX hat eine Thei- lung Platz gegriffen. In Fig. IX sind zugleich die Theilstücke derart reducirt, dass sie fast den Eindruck von Vorblättern machen; von den wirklichen Vorblättern, welche an der nor- malen Zweigknospe Fig. X gesehen werden, sind sie aber doch noch bedeutend verschieden, und jedenfalls zeigt der Vergleich dieser Bildungsabweichungen unter einander, dass die Frucht- schuppe unmöglich durch Verwachsung jener Theilstücke ^) Die Originalien zu den Figuren bewahre ich auf, von Fig. VIII in Querschnitten. 92 Gesellschaft naturforschender Freunde. Fig. V — IX. Verbildete Zapfenschuppen von Tsiiga Brunoniana Carr., bei a immer von aussen, bei b von innen, hier überall eine Knospe sichtbar. Das erste Blatt derselben ist zuweilen nadelförraig, z. ß. in Fig. VII ; in Fig. VIII und IX ist es abgefallen. — Fig. X eine normale Zweigknospe derselben Art, \\ und Vo ihre Vorblätter: zuweilen sind dieselben eben- falls , wie in einigen der Abnormitäten , nadeiförmig. Vergrösserung aller Figuren etwa Stach, bald etwas mehr, bald etwas weniger. hinter der Knospe hätte zu Stande kommen können; sie steht ja überall auf der Vorderseite. Ich sehe hier wirklich keine andere Erklärung, als die, dass wir in der Knospe ein Axillarproduct der Zapfenschuppe vor uns haben, das auf deren inneres Segment (die Fruchtschuppe) einen deformirenden, ge- legentlich bis zur Theilung gesteigerten Einfluss ausübte. Und ich kann mir nicht denken, dass die Abnormitäten bei Tsuga Canadensis, von denen Engelmann spricht, zu einem wesentlich andern Resultate führen sollten; jedenfalls will ich es ab- warten und mich vorläufig in meinen oben vorgetragenen An- schauungen nicht irre machen lassen. Sitzung vom 20. Juni 1882. 93 Herr A. B. FRANK sprach über die Haarpolster in den Blattachseln der Ercilia (Bridgesia) spi- cata DC. , einer in Chili einheimischen, wahrscheinlich an Felsen oder Baumstämmen kletternden Pflanze. Der Stengel ist mit mehrreihig wechselständigen Blättern besetzt; oberhalb einer jeden ßlattachsel bemerkt man einen scharf abgegrenzten, dichten, weissen Haarfilz, welcher sich ein Stück am Inter- nodium hinaufzieht, aber weit unterhalb der Mitte desselben endigt. Diese Haare weichen entwickelungsgeschichtlich we- sentlich von dem gewöhnlichen Begriffe der Trichome ab. Während letztere entweder nur aus der Epidermis oder aus dieser und einigen subepidermalen Zellen abstammen, entstehen jene nach Abstossung der Epidermis immer nur aus einer sub- epidermalen Zelle. Die Bildung dieser Organe beginnt bald nachdem das Internodium aus dem Knospenzustande heraus- getreten ist; eine etwas erhabene blassgrüne Stelle, über welche noch deutlich die intacte Epidermis sich hinzieht, be- zeichnet den Ort der späteren Haarbildung. Querschnitte zei- gen , dass hier unter der Epidermis eine Schicht Zellen Hegt, welche zunächst nahezu isodiametrisch und von den übrigen Randzellen nicht verschieden sind. Dann beginnen sich die- selben radial zu strecken und palissadenförmige Gestalt anzu- nehmen. Dies setzt sich nun so rasch weiter fort, dass die Epidermiszellen abgehoben und abgestossen werden und die wachsenden subepidermalen Zellen zu langen einfachen Schläu- chen sich strecken , welche ihrer Gestalt nach Wurzelhaaren am ähnlichsten sind. Da jede Zelle diesen Wachsthumsprocess zeigt, so stehen die Haare unmittelbar aneinander und bilden zusammen einen sehr dichten und festen Filz, der den bekannten ^rme?m- Haarbildungen, die durch Milben verursacht werden, nicht unähnlich ist. Zu diesem Organ gehört auch ein be- sonderes anatomisches Element, welches ebenfalls auf diese Stelle des Internodiums beschränkt ist. Es befindet sich näm- lich unter dem Haarpolster eine Reihe rindeständiger Fibro- vasalstränge , welche unmittelbar oberhalb der Blattachsel aus den benachbarten Strängen des einfachen Gefässbündelringes dieser Pflanze entspringen, der Länge nach nahe der Ober- fläche der mit Haaren besetzten Stelle aufsteigen, um am 6** 94 Gesellschaft naturforschender Freunde. oberen Ende der letzteren blind zu endigen. Was die Function dieses Organes anlangt , so wird sich ein vollständiger Auf- schluss darüber erst durch Beobachtung der Pflanze an ihrem natürlichen Standorte oder bei einer Cultur , die die Bedin- gungen des letzteren bietet, gewinnen lassen. Doch kann jetzt schon Folgendes gesagt werden. Als eine Schutzeinrichtung für die Achselknospe kann diese Bildung nicht aufgefasst wer- den, denn das untere Ende des Haarpolsters liegt immer ein wenig oberhalb der Achselknospe, so dass die letztere unbe- deckt ist. Vielmehr muss das Organ in Beziehung stehen zur Anheftung der Pflanze oder zur Nahrungsaufsaugung. Damit steht erstens im Einklänge, dass dasselbe nur an den tieferen Theilen der Sprosse , nicht an den oberen und an den blü- henden Sprossen sich zeigt. Ferner bemerkt man schon früh- zeitig fast ausnahmslos in jedem solchen Haarpolster die An- lage einer oder mehrerer Adventivwurzeln. Es constituirt sich nämlich durch entsprechende Zelltheilungen der äusseren Zell- schichten ein Wurzelvegetationspunkt, der dann sogleich zu einem kurzen cylindrischen Wurzelkörper auswächst. In die- sem differenziren sich Fibrovasalstränge, welche rückwärts an das erwähnte rindeständige System von Strängen im Haar- polster anschliessen. Die Haarbildung setzt sich dann auch in acropetaler Richtung fortschreitend auf den Wurzelkörper fort, den Vegetationspunkt desselben und eine Strecke dahinter wie gewöhnlich freilassend. Alle diese Bildungen erfolgen schon an den jüngeren Sprossen, ohne dass dieselben an den betreffen- den Stellen mit einem fremden Körper in Berührung sich be- finden. Aber so lange dieses nicht geschieht, scheint auch ein Fortschritt in diesen Bildungen nicht einzutreten, und es ist auffallend, dass während dieser Zeit auch die x\dventiv- wurzeln nicht aus dem Haarpolster hervorwachsen. Vielleicht geschieht dies erst dann, wenn der Stengel an diesen Punkten mit einem geeigneten Substrate in Berührung kommt, um dann vielleicht ähnlich, wie der Epheu, sich anzuklammern, und das Haarpolster könnte dann vielleicht sowohl als Schutzeinrich- tung für die jungen Wurzeln als auch als Wurzelhaare functio- nirend gedacht werden. An älteren Stengeln, die frei gewachsen sind, findet man jene Organe, weil functionslos, abgestorben und vertrocknet. Sitzung vom 20. Juni 1882. 95 Herr W. PetERS legte eine neue Art von Lag oiny s von der Tschuktschenhalbinsel vor. Lagomijs litoralis n. sp. L. supra cinereus, ochraceo nigroque adsjyersus; colli lateribus gulaque ferrugineis, venire flavido, pilis omnibus basi schistaceis ; aurlculis modicis, albomarginatis; pedibus albi's. Long, tota 12 cm\ cap 42 mm; aur. 13 mm; plant, ped. c. ung. 22 mm. Habitatio: Litora peninsulae Tschuktscheniensis. Wenig kleiner als L. hyperboreus Pallas, welcher ebenfalls zuerst auf der Tschuktschen-Halbinsel gefunden wurde. Die Ohren ragen wenig aus dem Haar hervor und haben nur eine Breite von 10 mm. Sie sind grösstentheils an der Aussenseite von feinem schwarzen Haar, inwendig von weiss- lichen, schwarz zugespitzten Haaren bekleidet, fein weiss ge- randet. Die Nase ist kurz- und dichtbehaart, braun; die Lippenränder sind weiss; die Schnurrhaare entweder fast ganz weiss oder schwarz, mit weissen Spitzen ; die längsten dieser letzteren ragen weit über den Kopf hinaus. Die Körperbehaa- rung ist weich, am längeren Basaltheil schieferschwarz. Die Spitzen der Rücken- und Seitenhaare sind schwarz; vor den- selben zeigen die einzelnen Haare einen breiten Ring, der an- fangs grau, dann ochergelb ist. Die Haare der Backen, des Vorder- und Seitenhalses, sowie der Steissgegend, haben nur rostfarbene, die des Bauches blass ocherfarbige Spitzen. Die Hände und Füsse sind von weisslichen Haaren bedeckt, welche, nach den Krallen hin borstig und länger werdend , dieselben bedecken. Die Fusssohlen sind dicht behaart, bis auf eine schwarze runde Schwiele unter dem Ende der letzten Pha- langen. Die Krallen , welche an der vorderen Extremität merklich länger sind, als an der hinteren, zeigen eine schwarze Färbung. Die Backzähne, deren Reihe kaum ii mm lang ist, zeigen etwas schmälere und mehr zugeschärfte Schmelzfalten, als die von L. hyperboreus ; auch erscheint der erste untere Backzahn mehr dreieckig, kleiner und aussen weniger tief gelappt, als der entsprechende Zahn jener Art. Die oberen Schneidezähne gg Gesellschaft naturforscheuder Freinule. sind zusammen an der Basis nur 3,5 mm, bei jener Art 4,2 mm lang. Der Unterkiefer hat unter der Mitte der Backzähne nur eine Höhe von 4 mm, jede Unterkieferhälfte eine Länge von 23 und eine Höhe von 14 mm. L. hyperhoreus Pallas ist die einzige Art, mit welcher die vorstehende zu vergleichen wäre, da alle anderen bekannten Arten nicht mit ihr zu verwechseln sind. Die rostbraune Farbe, die etwas beträchtlichere Grösse der PALLAs'schen Art, welche sich auch bei Vergleichung des Gebisses und des Schä- dels ergibt, erlauben nicht, beide mit einander zu vereinigen. Die Herren Krause erlegten zwei Exemplare in dem Emmahafen und in Avan, ungefähr unter dem 65° N. B., südlich von dem Cap Tschukosky, am 23. und 24. September 1881. Sie wurden mir nebst zwei anderen Säugethieren, SpermopMlus Parryi Richardson und Arvicola obscura Evers- MANN ebendaher von Herrn Dr. G. Hartlaüb zur Untersuchung mitgetheilt. Herr L. WiTTMACK machte auf eine Eigenthümlicll- keit der Blüthen von Ho^^deum bulbosum L. auf- merksam. Von diesem in Italien, dem Orient und Nordafrika ein- heimischen , bei uns nur in botanischen Gärten cultivirten Grase heisst es bei Linke, Spec. plant, ed. II. pag. 125: „Flosculis Omnibus fertilibus ternis aristatis, involucris seta- ceis, basi ciliatis." — Auch Künth druckt in seiner Enume- ratio plant. I. pag. 455 dies so ab und fügt nur hinzu: Squa- mulae piloso ciliatae. — In Wirklichkeit sind aber nicht alle die 3 Aehrchen, die auf einer Stufe der Aehrenspindel stehen, fertil , sondern die beiden gestielten seitlichen sind als männ- liche aufzufassen. Sie haben zwar einen Fruchtknoten, aber dieser ist viel kleiner als der normale der mittleren sitzenden Blüthe und vor Allem fehlen ihm die reich verästelten federi- gen Narben; diese sind hier auf 2 Stummel reducirt. — Auf- fallend ist nun ferner, dass die Mittelblüthen sich einige Zeit, selbst einige Tage vor den seitlichen Blüthen öffnen und dem- nach nicht von diesen ausgesprochen männlichen befruchtet werden können. Der eigene Pollen der Mittelblüthen , auch Sitzung vom 20. Juni 1882. 97 der von Mittelblüthen anderer Stöcke, scheint aber nicht wirksam zu sein, wenigstens hat H. bulbosum in dem bota- nischen Garten der Thierarzneischule in den letzten 2 Jahren, seitdem die Stöcke von dem Gärtner der königl. Thierarznei- schule, Herrn Büssmann, genauer beobachtet werden, keinen Samen getragen. Und da Hordeum bulbosum perennirend ist, sich durch die an der Basis knolHg verdickten Stengel erhält und vermehrt, so hat sich gewissermaassen das Bedürfniss Früchte zu reifen, als überflüssig herausgestellt; ein ähnlicher Fall wie beim Meerrettig, den Chalotten etc. Andererseits bietet Hordeum bulbosum ein vortreffliches Beispiel für den Uebergang von 6 zeiligen Gersten in 2 zeilige dar, an dem es eigentlich bisher fehlte; denn bei cultivirtem 6- resp. sogen. 4 zeiligem Hordeum vulgare sind üebergänge in 2 zeilige Gerste selten. Bei Hordeum distichum haben die seit- lichen Blüthen keinen Fruchtknoten mehr, nur 2 Lodiculae und 3 Staubgefässe , bei H. bulbosum ist aber ausserdem der Fruchtknoten meist noch vorhanden. Beiläufig sei hier bemerkt, dass ich die Angaben Delplno's, bei der 6 zeiligen Gerste, Hordeum vulgare, offnen sich die Blüthen der beiden mittleren Reihen nie und ebenfalls bei Hor- deum distichum die hier allein fruchtbaren 2 Mittelreihen nie, oder letztere doch nur ausnahmsweise, nicht ganz bestätigen kann. Es finden sich viele Mittelblüthen beider Arten Mor- gens früh bei Sonnenschein geöff'net. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Leopoldina, XVIII, 7—10. April — Mai 1882. Berliner Entomologische Zeitschrift, XXVI, 1. 1882. Jahreshefte des Vereins für vaterländ. Naturkunde in Württem- berg, 38. Jahrg., 1882. 7. Bericht der naturwissenschaftl. Gesellschaft in Chemnitz. 1878—1880. Jahrbuch des naturhistorischen Landes-Museums von Kärnten, Heft 15. 1882. 98 Geselhchaft naturforschender Freunde. Bericht über das naturhistor. Landes -Museum von Kärnten, 1880 — 1881. Atti della R. Acad. dei Lincei, 1881-82. Transunti, VI., 11 — 12. April u. Mai 1882. Bulletin de la Societe imper. des naturalistes de Moscou, Heft 3. 1881. Proceedings of the Zoological Society of London , 1881, IV. 1882. Journal of the Royal Microscopical Society. London, Ser. IL, vol. II, part. 3. Juni 1882. Bulletin of the Museum of Comparative Zoology, IX., 6—8. 1882. Boletin de la Academia nacional de ciencias de la Republ. Argentina, tom. III., entregas 2 y 3. Cordoba 1879. Peters , W. , Natuwissenschaftliche Reise nach Mossambique, Zoologie III., Amphibien. 1882. Das rheinische Dreiecksnetz, 3. Heft: Die Netzausgleichung. Publication des königl. preuss. Geodätischen Instituts, 1882. Hortus botanicus Panormitanus auctore A. Todaro, tom. II. Panormi, 1882. Haswell, Catalogue of the Australian stalk-and sessile-eyed Crustacea. Sydney, 1882. Druck von J. F. Starcke in Berlin. Nr. 7. 1882. S i t z 11 u 0" s - B e r i c h t der Gesellschaft iiatiirforscheiider Freunde zu Berlin vom 18. Juli 1882. Dircctor (in Vertretung): Herr Websky. Herr MAGNUS berichtete über die mit Herrn N. WiLLE aus Cliristiania gemeinschaftlich ausgeführte UntersucllUiig der auf der Süsswasserschlange Herpeton ten- taculatum Lacepede aus Bangkok in Siam wach- senden Algen, die Herr Prof. Peters in der vorletzten Sitzung der Gesellschaft vorgelegt und Vortragendem auf seine Bitte freundlichst zur Untersuchung überlassen hatte. Herr Prof. V. Marxens hatte dieselbe dort auf der preussischen Expedition nach Ostasien gesammelt. Die Untersuchung ergab, dass der bei Weitem grösste Theil der auf der Schlange auftretenden Algenvegetation von einer Cladophora gebildet ist, die sich durch die von den un- teren Gliedern absteigenden Haftäste als zur Sectio Spongo- morplia gehörig erweist. Die Pflänzchen sind dunkelgrün. Sie zeigen sich 6—12 mm hoch. Das Stämmchen ist reich verzweigt und gehen von dem oberen Ende der Glieder 1—3 Aestchen ab, die alle nahezu in einer Ebene liegen. Die unteren Seitenäste sind nahezu ebenso stark, wie der Hauptstamm verzweigt und erreichen auch un- 1) Dieser Vortrag wurde bereits in der Juni -Sitzung gehalten, das Manuscript aber der Redaction verspätet eingesandt. 7 ■^QQ Gesellschaft naturforschender Freunde. gefähr dessen Höhe; weiter oben werden die iVestchen kürzer und nehmen alhnählig bis zur Einzelligkeit ab; doch ist zu bemerken, dass diese oberen Aeste auch die jüngsten sind, und daher recht wohl an älteren Pflanzen zu weiterer Ausbil- dung hätten gelangt sein können. An jedem Knoten stehen also 1 — 3 Aeste; dabei ist zu bemerken, dass an den GHedern der Aeste die erste Aus- sprossung an der dem Muttersprosse abgewandten äusseren Seite auftritt. Erst nachdem dieser erste Ast zu einem grösseren oder geringeren Aste ausgewachsen ist, pflegt an der gegenüberliegenden, also dem Muttersprosse zugewandten, Seite des Gliedes der zweite Ast hervorzusprossen und erst danach wiederum auf der äusseren Seite, gewöhnlich unter dem ersten Aste, der dritte Ast, der häufig ein klein wenig seitlich ver- schoben erscheint. So liegen sämmtliche Verzweigungssysteme fast in einer Ebene. Von den unteren Gliedern des Hauptstammes und den untersten Aesten entspringen über deren unterer Scheidewand nach abwärts wachsende Haftfasern, die sich dem Hauptstamme eng anlegen, das Substrat erreichen, sich demselben fest an- haften und an allen beobachteten Exemplaren merkwürdiger Weise einzellig geblieben sind. Sie dienen dazu, die Pflanze gegen die Bewegungen oder den Widerstand des von der Schlange durchschwommenen Wassers kräftiger zu befestigen. Die Zellen des Hauptstammes sind 32 — 40 a, die der letzten Aeste 20 — 25 [x breit und sind die Zellen im Allge- meinen 7 — 11 Mal so lang als breit. Die Haftfasern sind 24 — 28 a breit. Unter den von KCtzing beschriebenen und abgebildeten For- men findet sich keine, die sich damit vergleichen liesse. Spe- ciell sind die von G. v. Marxens in seinen .,Notes on some Javanese x\lgae" und „List of Bengal Algae" (aus Procee- dings of the Asiatic Society of Bengal 1870), sowie die von G. Zeller in seiner Arbeit ., Algae collected by Mr. S. Kürz in Arracan and British Burma'' (aus Journal xisiatic Society of Bengal Vol. 43. Part. H. pag. 175 fl'. 1873) angeführten Cla- dojihora- Arien von ihr ganz verschieden. Ebenso wenig stimmt damit eine der von G. v. Marxens in „Die preussische Expe- dition nach Ostasien: Die Tange" beschriebenen Cladophora- Sitzung vom 18. Juli 1882. 101 oder Spon(jomorpha- Arten. In seiner Sclirift „De Algis aquae duicis et de Characeis ex insulis Sandvicensibus a Sv. Berggreu 1875 reportatis" (Lund 1878) beschreibt Nordstedt eine 67a- dophora (Spongomorpha) longiarticulata , die sich von unserer ausser der Farbe (pallide viridis v. flavescens) durch die dicho- tome Verzweigung, sowie durch die gegliederten Haftfasern unterscheidet. Ferner beschreibt Gruinow in „Reise der öster- reichischen Fregatte Novara um die Erde": Botanischer Theil, Bd. I. pag. 40, Cladopliora (Spongomorpha) pectinella Grün., die sich von unserer Form durch bedeutendere Grösse des Rasens, der 20 mm hoch ist, durch die relativ kürzeren Glie- der, die nur IV2 — 3 Mal so lang als breit sind, sowie durch die gegliederten Haftfasern unterscheidet. Wir halten uns daher berechtigt, unsere Pflanze als eine neue Art zu bestimmen, die wir Cladopliora (Spongomorpha) ophiophila Magnus u. Wille nennen. Es ist bemerkenswerth, dass oft die Scheitelzellen seitliche kugelförmige Auswüchse tragen, die einen dunkleren dichteren Inhalt führen; sie sind ohne Zweifel durch den Angriff eines thierischen (Räderthierchens z. B.) oder pflanzlichen (Chytri- diacee) Parasiten hervorgebracht. Ferner ist auf der Cladophora ein charakteristisches Leben entwickelt. Ausser mehreren Diatomeen sitzt auf ihr ein schö- nes charakteristisches Chamaesiphon , das am nächsten dem Chamaesiphon gracilis Rab. kommt , von dem es sich haupt- sächlich durch seine bedeutendere Länge unterscheidet. Von der von Herrn Wille in „Ferskvandsalger fra Novaja Semlja samlede af Dr. F. Kjellmann paa Nordenskiöld's Expedition 1875" (aus Öfversigt af Kongl. Vetenskaps-Akademiens För- handlingar 1879, No. 5) aufgeführten Ch. gracilis f. valde elon- gata unterscheidet es sich durch grössere Breite der Zellen, und grössere Höhe der Pflänzchen. Die Zellen sind 2 — 3 u breit , die Pflänzchen ca. 100 [jl hoch. Wir bezeichnen die Form als Chamaesiphon gracilis Rabenh. f. major Magn. u. Wille. Ferner sitzen auf der Cladophora junge Fäden einer Ulothrix, deren Zellen 4 — 5 [x breit sind. Endlich sitzen noch auf der Cladophora die Colonieen eines Thieres, das nach Herrn Dr. Hilgendorf's freundlicher Mittheilung wahrscheinlich zur Gat- tung Epistylis gehört. 7* 202 Gesellschaft naturforscliender Freunde. Ferner besprach Herr Magnus die ovula der vergrünten Blüthen von Reseda lutea, die er von Herrn Dr. ZAcnAuiAS aus Strassburg i. Eis. freundlichst zugesandt erhalten hatte. Säiunit- liche Blüthen einiger Trauben zeigen sich bei der Untersuchung vergrünt und zwar schreitet stets die Vergrünung von der Basis der Traube nach der Spitze zu fort. Mit der Vergrü- nung tritt ferner eine Durchwachsung der Blüthenaxe ein, die zuletzt auf kürzerem oder längerem Stiele eine zweite Blüthe bildet. Mit der Vergrünung schreitet ferner die Umbildung der ovula fort, bis ihre Bildung an den Carpellen der am meisten ver- grünten und durchwachsenen Blüthen schliesslich gänzlich unter- bleibt. Die erste Umwandelung des anatropen bis campylotropen Ovulums besteht in einem starken Zurückgehen des Kerns, der nur wenig über die Integumente hervorragt und zuw^eilen noch den Beginn der Bildung eines dritten Integuments zeigt. Dann trennt sich der Funiculus vom äusseren Integument völlig ab und erlangt das äussere Integument gleichzeitig eine relativ bedeutendere Ausdehnung. Nun entwickelt sich der Funiculus lang, bleibt noch an seiner Spitze umgekrümmt und trägt auf der umgekrümmten Spitze das eigentliche Ovulum, dessen Inte- gumente sich mit einseitig geforderter Mediane ausbilden. Manch- mal ist das äussere Integument schon zu einem einseitig stehen- den deutlichen Spreitenblatt entwickelt, während das innere noch schlauchförmig zusammengezogen ist ; häutig sind beide zu Blättchen mit bestimmter Mediane ausgebildet, und stehen sich dann beide Blättchen gegenüber. Solche ähnlichen Umbildun- gen zu beblätterten Funiculis (beblätterten Sprossen) haben schon A. Braun und C. Schdiper an Reseda beobachtet und beschrieben. Geht man nun zu höheren Blüthen an der Traube, so sieht man, wie der Funiculus breit und kurz wird, und all- mählig in das äussere Integument verläuft; anfangs umfasst das äussere Integument noch das zuweilen auf deutlichem Inter- nodium sich aus ihm hervorhebende innere Integument, wobei seine Antimediane schon niedrig ist. Dann aber, oft noch an derselben Placenta, verfliessen der noch breiter gewordene Funi- culus und das äussere Integument völlig mit einander zu einem SllziuHi vom IH. Juli 1882. 103 flächenfönnigen blattartigen Organ , auf dessen Fläche das in- nere Integiinient mit dem eingeschlossenen Nucleus steht, liier erhebt sich also kein antimedianer Rand des äusseren Integu- ments mehr um die Insertion des inneren Integuments. Da- nach tritt wie schon erwähnt, die Bildung der ovula schliess- lich ganz zurück , wie das bei vergrünten Carpellen häufig eintritt. Vortr. hält sich demnach berechtigt, bei dieser Reseda lutea wenigstens die scheinbare Umbildung des Ovulums in ein blattförmiges Organ, aus dem der vom inneren Integu- ment umgebene Nucleus oder auch der blosse Nucleus hervor- sprosst, auf ein einseitiges excessives Wachsthum des äusse- ren Integuments zurückzuführen, das mit dem Rückgange der Ovularbildung eintritt. Zur Erläuterung des Vortrags wurden die schönen von Herrn Lehramtscandidaten C. Müller gezeichneten Abbildun- gen der Gesellschaft vorgelegt. Vortr. gedenkt dieselben demnächst mit eingehenderer Beschreibung zu veröffentlichen und dabei ausführlich auf die reiche Litteratur des Gegenstandes einzugehen. Herr v. MARXENS sprach über eine neue Zusendung central-asiatisclier Land- und Süsswasser- Schnecken, welche Herr Apollo Kuschakewitz in den Jahren 1873 — 79 gesammelt und dem Vortragenden durch die Vermittelung des Akademikers Dr. Strauch in Petersburg zur Bestimmung zugeschickt hat. Sie stammen aus den Gebirgs- gegenden, welche die südsibirischen Steppen und die Wüsten des aralo-kaspischen Tieflandes von dem centralen Hochlande der Mongolei und Ost-Turkestans trennen, nämlich von den Umgebungen der Seen Ala-kul und Issik-kul, aus dem Thale des Naryn-Flusses (Oberlauf des Jaxartes) und der altberühm- ten Hochebene Pamir zwischen Tianschan und Himalaja; meh- rere der Fundorte haben eine Meereshöhe von 10000 — IJOOO Fuss. Die Arten sind zum Theil dieselben , welche schon durch die Reisen von Semenow und Fedtschenko bekannt ge- worden, zum Theil neu, aber mit eben genannten mehr oder weniger verwandt. Die Landschnecken gehören hauptsächlich IQ4 Geselhchaft nnturforschender Freunde. den Gattungen HeVix, BuUminus , Pupa und Succinea, die Wasserschnecken den Gattungen Limnaea und J lanorbis an; die Helix schliessen sich meist an die in Mitteleuropa und Si- birien vorherrschende Gruppe der Fruücicolen an , zeichnen sich aber unter diesen durch hellere Färbung der Schale und dicke Mündungsränder aus, was auf ein Leben an Stellen, die zeitweise grösserer Dürre ausgesetzt sind, deutet. Die Xero- 2')lnle, Helix Derbentina, erstreckt sich von Taschkend aus im Gebiet des Jaxartes bis Andidjan aufwärts, also soweit die Kulturebene reicht. Eine Art vom Flusse Kegen an der Nordseite des Tianschan stimmt mit Helix Orithyia überein, welche Herr v. Richthofen im Löss der chinesischen Provinz Honan gesammelt hat. Die Buliminus gehören den Gruppen Zehrina und Chondrula an, welche in Mitteleuropa durch B. detritus und tridens vertreten sind, Arten, welche gern an son- nigen Abhängen leben; bei mehreren derselben findet sich eine Kalkablagerung in Form einer Leiste (/i albiplicatus) oder Zahns (ß. retrodens, entodon, dissimüis) auf der Mündungswand hinter der OefFnung; es scheint das die Stelle zu sein, bis zu welcher das Thier sich zurückzieht und bei längerer Trocken- heit einen zeitweiligen Schleimdeckel bildet, wie an einigen Stücken der erstgenannten Art zu sehen. Von Ptijm kommt die unserer P. muscorum nahe stehende signata an den Flüssen Tekes und Juldus, also an beiden Abhängen des Tianschan, zahlreich vor. Succinea ist auf Höhen von 10000 — 11000 Fuss bei Kyzil Kungei und Artschaty durch die aussen runz- lige , mattgefärbte, innen lebhaft pomeranzengelbe S. Marten- siana (Nevill) vertreten ; in der Nähe des Ala-kul fand sich eine entsprechend gefärbte Form der S. Pfeifferi. Auffällig ist, dass in der ganzen Sammlung sich keine Clausilia befindet; diese Gattung culminirt bekanntlich in den Küstenländern des östlichen Mittelmeeres und reicht an der norwegischen Küste bis zum Polarkreis, fehlt aber in Lappland und Sibirien, findet sich wieder im Kaukasus und Himalaja, in China und Japan; ihr Fehlen in den centralasiatischen Gebirgen ist also vielleicht dem continentalen Klima zuzuschreiben. Die Süsswasser- schnecken haben durchaus europäischen Habitus; selbst die Limnaeen aus den Seen der Pamir, z. B. des Kara-kul, lassen Sitzung vom 18. Juli 1882. 105 sich nicht wohl als Art von den deutschen L. peregra und lagotis trennen; aus dem See Issik-kul liegt eine Anzahl sehr dickschaliger Exemplare vor, von denen die einen den schief gestreckten Verlauf des Oberrandes der L. obliquata zeigen, andere, sonst übereinstimmend, diesen Rand so schön regel- mässig gebogen, wie die typische L. auricularia haben, so dass auch jene mehr eine individuelle als geographische Varietät bildet. Im Ganzen zeigt also die Schneckenfauna der genann- ten Gebirge bei manchen neuen Arten doch noch entschieden einen mitteleuropäisch - sibirischen Charakter, ohne entschie- denen Hinweis auf Indien. Von den mehr mediterranen, spe- ciell aber mesopotamischen Formen, welche Dr. H. Dohrn angeblich aus dem Hazran-Sultan-Gebirge südöstlich von Sa- markand erhalten hat (Jahrbücher der malakol. Gesellschaft 1882, 1. Heft), ist in der vorliegenden Sammlung nichts vor- handen, obwohl manche ihrer Fundorte nicht allzuweit davon entfernt und in directem Gebirgszusammeuhang damit sind. Die neuen Arten, welche auch ohne Abbildungen kenntlich charakterisirt werden können, sind folgende: Helix Apollinis n. sp. Testa umbilicata, depressa, irregulariter rugoso-plicatula, albida, obsolete ochraceo - variegata et saepius punctis nigri- cantibus raris adspersa, apice nigricante; spira vix elevata, anfr. 5, convexiusculi, sutura impressa, ultimus initio subangu- latus, dein rotundatus, ad aperturam distincte descendens; apertura trausverse ovata, marginibus conniventibus, peristo- mate recto, intus albolabiato. Diam. maj. 12—16, min. 10—13, alt. 7— 8V2, apert. alt. obliqua 4—6, diam. 6 — 7 mm. Hab. Andidjan in valle fluvii Naryn nee non Taldyk- ssu et Artschaty montium Alai, Asiae centralis, legit Apollo KUSCHAKEWITZ 1878. Nächst verwandt mit H. Fedtschenkoi. Helix mesoleuca n. sp. Testa perforata, conoideo - globosa, irregulariter striata, rufa , fascia peripherica latiuscula alba ; spira sat elevata. 106 Geselhchoft naturforschender Freunde. anfr. 5 convexiusculi, sutura impressa, ultimus rotundatus, basi convexus, antice paulum descendens; apertura paulum obliqua, lunato-subseniicircularis, peristoiiiate recto, subincrassato, niar- ginibus distantibus, callo tenui junctis, externo valde arcuato. Diam. maj. 9, min. 8, alt. 6V2, apert. alt. 4, diani. 4V2 mm. Hab. Kyzyl Art. Nächstverwandt mit H. i-ußspira , durch die kugelige Gestalt leicht zu unterscheiden. Bull min US ( Chondrula) entodon n. sp. Testa rimato-perforata, oblongo-turrita, striatula, nitidula, fulvo-cornea, apice concolor; anfr. 8, convexiusculi, sutura sat profunda albescente separati, 4 priores regulariter diametro crescentes, sequentes subaequales, ultimus infra rotundatus; apertura vix V3 longitudinis aequans , aliquantum obliqua, truncato-ovata , peristomate incrassato, expanso, albo, margi- nibus distantibus, callo tenui junctis, margine externo superne attenuato, arcuato, columellari lato, pariete aperturali intus tuberculo crassiusculo munito. Long. 12, diam. 4, apert. long. SVs? diam. 3 mm. Hab. circa Wjernoje ad radices montium Ala-tau trans fluviuni Ili sitorum. Steht gewissermaassen in der Mitte zwischen B. intu- mescens und B. retrodens, welch letzterer in einer kleineren Varietät mit ihm zusammen vorkommt. Buliminus dissimilis n. sp. Testa rimato -umbilicata, breviter conoidea, costis verti- calibus sat confertis sculpta, alba; anfr. 6 convexiusculi, sutura sat profunda, priores 2V2 laeves, cornei, ultimus basi compressus, ad aperturam valde ascendens; apertura subverti- calis, truncato-ovata, peristomate incrassato, expanso, albo, margine externo subrecto, supra attenuato et curvato, colu- mellari lato, pariete aperturali callo crassiusculo et intus dente valido compresso munito. Long 57.2 — 8, diam. 4, apert. long. 3, diam. 2V3 nim. SiLvin;/ row IS. Juli 1882. 107 Ilab. A rassa n-b ulak ad niontes Nan-schan (inter Knldscha et niontes Tianschan). Diese Art weicht von allen bekannten europäischen und mittelasiatischen bedeutend ab und ähnelt im Umriss etwas einer Pujja oder Gibbulma; sie dürfte am ehesten nocli in die Gruppe Pelraeus zu stellen sein. Herr v. MARXENS zeigte ferner zwei neue Arten von Meer-Conchylien, welche von der Expedition S. M. Seh. Gazelle stammen, vor, deren Diagnosen hier folgen: 1. Scalaria tenui sculpta n. sp. Testa turrita, vix rimata, costulis verticalibus tenuibus sat confertis (circa 17 in anfr. penultimo) et varicibus crassi- oribus nonnullis munita, interstitiis subtiHter cancellatis, pallide flavescens, obsolete bifasciata, costulis albis; anfr. 13, convexi, contigui, ultimus ad basin subcarinatus; apertura ovata, circiter '% longitudinis occupans, peristomate incrassato, superne inter- rupto, basi leviter subauriculata. Long. 23, diam. 6, apert. long. 5, diam. S'/g mm. Hab. prope insulas promontorii viridis. 2. Turritella aurocincta n. sp. Testa turrita, alba, costis spiralibus sat confertis, binis vel ternis in quovis anfractu magis prominentibus subgranulosis aureis sculpta, sutura saepius item aurea; anfr. 13, primi laeviusculi, unicarinati, sutura profundiore discreti; ultimus infra obtuse angulatus , basi planiuscula; apertura circa VV, longitudinis aequans, quadrangula, mar^ine columellari verti- cali, angulum rectum cum margine basali formante. Long. 19, diam. 472^ apert. long. 3, diam. 3 mm. Hab. ad Vavao insular um amicarum. Herr W. PETERS legte eine neue Gattung von Ba- traclliern, Hylonomus^ aus Bogota vor. Hylonomus nov. gen. Pupille horizontal. Zunge gross, rund, angewachsen. Vomer- zähne. Tympanum versteckt, Tubenöffnungen eng. Keine Pa- 103 Gesellsc/inft naturforschender Freunde. rotoiden. Die beiden äusseren Finger an der Basis mit Schwimmhäuten; Zehen mit wohlentwickelten Schwimmhäuten; Finger- und Zehenspitzen mit kleinen Haftscheiben. Aeussere Metatarsalia verbunden. Bogenförmige Epicoracoidea, Manu- brium sterni und Stern um knorpelig. Querfortsätze des Os sacrum nicht verbreitert. Endphalangen mit einfacher Spitze. Zunächst den Ilylodes sich anschliessend unterscheidet sich diese Gattung durch sehr entwickelte Schwimmhäute. Hy lonomus bogotensis n. sp. Kopf so lang wie breit, Schnauze vorn abgestutzt. Nas- löcher gleich hinter und unter dem vorderen E^nde des Canthus rostralis, weniger von einander als von dem Auge entfernt, welches gleich einem Augeudurchmesser ist , der selbst ein wenig kleiner ist, als die Breite des Interorbitalraums. Frenal- gegend schräg nach aussen abfallend. Von einem Trommelfell ist nichts zu sehen. Die massig grossen Augen haben eine horizontale Pupille. Schädel mit einer grossen langen Fon- tanelle. Die Zunge ist sehr dünn, rund, ganzrandig, ringsum angewachsen oder kaum am hintersten Rande etwas frei. Die Choanen stehen viel weiter von einander entfernt als die äusse- ren Naslöcher, und sind wenigstens doppelt so gross, wie die kleinen Tubenöffnungen. Die Voraerzähne stehen weiter zurück, als die Choanen und in zwei nach vorn convergirenden Quer- linien, deren äussere Enden auf einer gleichen Längslinie mit dem inneren Rande der Choanen stehen. Körper oben mit einer feinen, leicht abzustreifenden Gra- nulation bedeckt. Brust, Bauch und Unterseite der Schenkel dicht granulirt, Submentalgegend mit sparsamen Granulis. Die Vorderextremität reicht über die Inguinalgegend hinaus. Nur zwischen den ersten Gliedern des dritten und vierten Fin- gers ist eine Bindehaut vorhanden und die Haftscheiben sind wenig breiter als die vorhergehende Phalanx. Der erste Finger ist sehr kurz und ragt kaum über den Metacarpus des zweiten hinaus. Der dritte längste Finger überragt den vierten um eben so viel , wie dieser den zweiten. Die subarticularen Schwielen sind wohlentwickelt, aber wenig vorspringend. Die Hinterextremität ragt mit dem Hacken bis zu der Mitte der Sitzung vom iH. Juli 1882. 109 Frenalgegend. Die Zehen nehmen von der ersten bis vierten rasch an Länge zu und die dritte und fünfte sind fast gleich lang. x\uch ihre Ilaftscheiben sind nur massig gross und die Bindehäute gehen saumförmig bis zu der Basis der vorletzten Phalanx der vierten Zehe. Farbe graugelb. Mit der Loupe sieht man allenthalben auf der Oberseite des Körpers und der Gliedmassen dichtge- drängte schwarze Pünktchen. Totallänge 30 mm; Kopflänge und Kopfbreite 10 mm; vord. Extremität 22 mm; Hand 8,5 mm; hint. Extremität 43 mm; Fuss 20 mm. Aus Bogota (Neu -Granada). Herr H. DeWITZ machte eine weitere Mittheilung über den Kletterapparat der Insekten. In der Sitzung vom 17. Januar 1882 ^) sprach Vortra- gender über die Vorrichtungen, welche die Insekten zum Klet- tern befähigen. Während sich die damaligen Mittheilungen nur auf die äusseren Einrichtungen bezogen , sollen heute die in- neren Organe, welche beim Klettern thätig sind, geschildert werden. Durchschneiden wir die Sohle eines Telephorus disjmr, eines Käfers, der sich seiner Weichheit halber besonders hierzu eignet, so nehmen wir die in der Chitinhaut der Sohle stecken- den Härchen wahr, welche der Länge nach von einem an der Spitze ausmündenden Kanal durchzogen werden. Bei Tele- phorus laufen die Haare spitz aus ; die Mündung des Kanals liegt hier unterhalb der Spitze und ist nur sehr schwer wahr- nehmbar. Viel besser sieht man die Oeffnung bei Bock- oder Rüsselkäfern, wo sich die Härchen an der Spitze verdicken. ^) 1) Sitzungsber. d. Gesellsch. uaturf. Freunde 1882. pag. 5. ■-) Diese Härchen sind von Tuffen West (The foot of the Fly, its structure and action; elucidated by coniparison with the feet of other Insects; Transact. Linn. soc. XXllI. 1862. pag. 393-419. t. 41 bis 43) bei verschiedenen Insektenorduungen sehr eingehend beschrieben und abgebildet. Er nimmt an, dass bei den kletternden Insekten jedes dieser kleinen Härchen wie eine Saugscheibe wirkt, wenngleich er nebenbei auch den klebrigen Schleim fnnetioniren lässt. Tuffen West 110 Gesellsc/inß nnturforschender Freunde. Einzelne Zellen der die Chitinhaut der Sohle überkleidenden llypodermis überragen die übrigen bedeutend und sind zu ein- zelligen Hautdrüsen umgebildet. Sie besitzen meistens eine flaschenförmige Gestalt. Jede der Drüsen mündet in eins der oben erwähnten Härchen. Die Drüse ist von einer structur- losen Haut, der Tunica propria, umgeben. Das Innere besteht aus körnigen? Protoplasma mit einem am frei abstehenden Ende der Drüse gelegenen Zellkern. In der Mitte der Drüse zeigt sich eine Blase, die Intima, welche in eine Röhre ausgezogen ist. Letztere durchzieht den Hals der flaschenförmigen Drüse und setzt sich der Wurzel eines Haares an. Der klebrige Schleim wird nun in die Blase hinein abgeschieden und ge- langt aus dieser durch die Röhre in's Haar und nach aussen. Natürlich wird ein starker Blutzufluss stattfinden müssen, damit die Drüsen bei anhaltender Thätigkeit immer neuen Stoff be- reiten können. An jede der Drüsen tritt ein sehr feiner Nervenast heran. Es ist wohl anzunehmen, dass die Abschei- dung vom Willen des Thieres abhängt. Ein äusserer Reiz, hervorgerufen durch das Anlegen des Tarsus an einen festen Gegenstand, veranlasst die Drüsen wohl nicht zur Abscheidung. In letzterem Falle müsste auch während des Stillstehens fort- während Schleim ausgeschieden und nach aussen befördert werden, was natürlich eine unnütze Stoffvergeudung wäre. Während die einen Insekten sehr lange Zeit umherklettern können, erlahmt bei anderen die Drüsenthätigkeit sehr schnell, was auch gerade beim TeUphorus der Fall ist. Stubenfliegen z. B. laufen unzählige Male in einem Glascylinder auf und ab, der Telejyhorus thut es ganz behende ein, höchstens 2 mal, ein ferneres Emporklimmen ist ihm dann momentan unmöglich, da die Drüsen jedenfalls den Stoff nicht so schnell bereiten können. Von dem den Tarsus der Länge nach durchziehenden starken Nerv treten Verzweigungen an die Basis einzelner vergisst hierbei, dass den Härchen durchaus Muskeln fehlen, welche für eine Saugscheibe wohl unentbehrlich sind, und dann, dass auch viele Insekten (Heiuipteren , Orthopteren) eine glatte Sohle ohne Här- chen besitzen und dennoch vermöge des abgeschiedenen Schleims sehr gut klettern. Sitzunif vom IS. Juli 1882. Hl Härchen. Kurz vor der Endiguiig schwillt jeder Zweig, wie dieses bereits vor längerer Zeit von Leyüig beobachtet worden ist, zu einer Ganglienkugel an. Diese mit Ganglienkugeln in Verbindung stehenden Härchen finden sich zerstreut zwischen den übrigen und dienen wohl ohne Zweifel zum Tasten. Abweichend von den oben beschriebenen Einrichtungen zeigen sich die Verhältnisse an den haarlosen ballenartigen Tarsen vieler Orthopteren. F'ast sämmtliche Zellen der Hypo- dermis der Sohle sind hier zu einzelligen Drüsen umgebildet. Jede Zelle entsendet ein feines, sehr langes Chitinröhrchen. Alle diese Röhren verlaufen neben einander und sind durch sehr feine Härchen mit einander verbunden, welche wie Neben- ästchen von den Röhren abstehen. Die untersten Enden letz- terer sind mit einer die Sohle überziehenden Chitinhaut ver- wachsen, in welcher zahlreiche kleine Oeffnungen, die Ausmün- dungen des Kanals der Röhrchen, liegen. Diese in Folge der Länge der Röhrchen zwar sehr dicke , jedoch poröse und elastische Sohle ist sehr geeignet, sich auch kleinen Uneben- heiten anzuschmiegen. Was bei den einen die Haare thun, welche die Sohle besetzen, das macht bei den anderen diese po- röse, elastische Sohle. — In jedem Tarsalgliede schwillt hier der den Fuss durchziehende Tracheenast beträchtlich an und nimmt fast den ganzen inneren Hohlraum ein. Die Tracheenanschwel- lungen bewirken, dass die Sohle immer straff und dabei doch nachgiebig ist, wie ein Luftkissen. Der sich an den männlichen Vorderschienen bei Steno- hothrus Sibiricus findende Apparat, w^elchen ich zwar nicht aus eigener Anschauung, sondern nur nach der Beschreibung und Abbildung Pagenstecheu's ^) kenne, hat jedenfalls auch nur den Zweck, durch Abscheidung eines klebrigen Schleims die Beine dem Weibchen um so fester anschmiegen zu können. Auch hier finden wir die grossen, die übrigen Hypodermiszellen weit überragenden, mit Nerven ausgestatteten Drüsenzellen; auch hier schwillt die Trachee blasenförmig an. In der Gattung Carabus sind die Tarsen haarlos. Die Vordertarsen der Männchen jedoch, wie bei den kletternden Archiv für Naturgeschichte 1864. pag. 26 ff., t. 1. 112 Gesellschaft naturforschender Freunde. Käfern, mit Bürsten besetzt, deren Härchen dieselbe Gestalt wie bei den kletternden Thieren besitzen. Auch hier scheint es mir zweifellos zu sein , dass aus diesen Härchen ein klebriger Schleim hervorquillt, welcher dazu dient, bei der Begattung die Vordertarsen am Weibchen zu befestigen. Ebenso beruht nach meiner Ueberzeugung das Festkleben des Pollens an den Sammelhaaren oder an der Hinterschiene der Bienen lediglich auf Abscheidung eines klebrigen Schleims, welcher aus den Haaren und aus Poren der Schiene hervor- dringt. — Kehren wir zu den Drüsen und deren Function zurück. Das Auspressen des Schleims aus dem Räume der Intima und dem Haare geschieht durch Contraction des Protoplasmas der Drüse. Schneidet man einem lebenden Tehphorus einen Tarsus ab, reisst ein Stück der Sohle mit Nadeln heraus und beobachtet es in Speichel oder dünner Salzlösung, so bemerkt man bisweilen an der einen oder anderen Drüse lebhafte Zuckungen und Krümmungen; auch sieht man, wie sich das Protoplasma an einer Seite der Drüse von der Tunica abhebt und zusammenzieht. Einige Male nahm Vortr. wahr, dass eine Flüssigkeit aus der Blase (Intima) in den Hals derselben ge- trieben wurde. Es unterliegt also wohl keinem Zweifel , dass die Drüsen den klebrigen Schleim absondern, dass dieser dann durch Contraction des Protoplasmas in's Haar und nach aussen «betrieben wird. Dass Yortr. nie im Haare selbst eine sich be- o wegende Flüssigkeit wahrgenommen hat, liegt jedenfalls daran, dass die Zellen .zu schnell ermatten, absterben und nicht mehr die Kraft besitzen, den Schleim so weit fortzutreiben. An der Spitze der Haare sieht man zahlreiche Tropfen hängen. Auch an anderen Organen des Insektenkörpers, so an feinen Nervenästchen ^), den Speicheldrüsen und den Malpighi- schen Gelassen nimmt man Contractionserscheinungen und krümmende Bewegungen wahr, wenn die Theile schnell aus 1) Dass auch bei den höheren Thiereu die Nerven Bewegungs- erscheiiuingen äussern, dafür spricht wohl der Umstand, dass bei einem durchschnittenen Nerv, auch wenn die beiden Stümpfe verschoben sind, sich diese doch wieder aufsuchen und zusammenwachsen. Sitzumj vom 18. Juli 1882. 113 dem Körper gerissen und unter das Mikroskop gebracht wer- den. Bekanntlich ist eine allen nicht weiter differencirten, somit bezüglich ihres Protoplasmas metamorphosirten Zellen zukommende Eigenschaft die Contractilitcät. ^) Die Contractio- nen und Krümmungen ganzer Organe beruhen natürlich auf einheitlichem Zusammenwirken einer Anzahl von Zellen. Die Krümmung des Endes eines Malpighischen Gefässes nach rechts z. B. beruht darauf, dass sich alle das Ende bildenden Zellen auf ihrer rechten Seite contrahiren. — Sollten nicht auch die in den vielzelligen Drüsen abgeschiedenen Stoffe durch diese Contractionen nach aussen befördert werden ? Dass die weichen Organe im Innern des Körpers nicht unbeweglich daliegen und sich bei den vielfachen durch die Muskeln hervorgerufenen Bewegungen nur passiv umherzerren lassen, sondern vielmehr freiwillig die Bewegungen durch selbststcän- diges Ausdehnen und Zusammenziehen mitmachen, liegt wohl auf der Hand. Ja von den Malpighischen Gefässen ist sogar bekannt , dass die vielfachen Verwickelungen am lebenden Thier in beständiger Veränderung begriflen sind. ^) Natürlich kann man dieses nur an sehr durchsichtigen Thieren beob- achten. Herr A. W. ElCHLER legte, unter Demonstration der Belag- Exemplare, folgende Mittheilung des Herrn TH. v. HELDREICH zu Athen vor: Beispiel von Heterophy llie , beob- aclltet bei Ceratonia Siliqua. Ceratonia Siliqua L. ist ein in Attika und vielen anderen Theilen Griechenlands und besonders auf den Inseln in Menge wildwachsender Baum. ^) Auch wird er häutig cultivirt, na- mentlich bei Athen in Gärten, öflentlichen Anlagen und längs der Strassen. Ein von mir im botanischen Garten beobachteter, höchstens 20 Jahre alter Baum zeigte an seinen zahlreichen Seitenzweigen 1) Gegenbauer, Gruudzüge d. vergleiclicuden Anatomie 1870. p. 28. 2) Graber, Die Insektcu 1. pag. 324. ^) Vergl. Heldreich, Nutzpflanzen Grieclienlands pag. 73, und Des- selben Pflanzeti der attischen Ebeue pag. 555. 114 Gesellschaft naturfor.schender Freunde. und Nachtrieben, nachdem der obere Theil des Stammes durch irijend ehie unbeachtet gebliebene Ursache vor zwei Jahren abgestorben war, eine merkwürdige Heterophyllie , indem die Blätter die Neigung hatten, doppelt gefiedert zu werden (wie bekannt, sind die normal entwickelten Bhätter bei Ceratonia Siliqua einfach paarig gefiedert). An ein und demselben Zweige finden sich oft verschiedene Stadien der Theilung der Blättchen in wieder gefiederte Blättchen. Im Allgemeinen zeigt sich, dass die untersten 4 — 5 Blätter eines Zweiges nor- mal gebildet und bedeutend kleiner sind, die mittleren dagegen die grössten und zur Theilung am meisten geneigten. Die den wiedergefiederten Blättchen gegenüberstehenden einfachen, sind gewöhnlich auff'allend grösser, als die übrigen desselben Blattes. An den meisten Zweigen unseres Baumes zeigen sich ähnliche, wenn auch im Einzelnen wechselnde Verhältnisse. Als belegende Beispiele übersende ich zwei Zweige, wovon der eine (A.) 21 Blätter, der andere (B.) 13 Blätter trägt. Bei A. sind die obersten 6 Blätter normal 4-paarig gefiedert. An Blatt 7 (von oben gezählt) ist das unterste Blättchen gefiedert, die 7 secundären Blättchen sind so ver- schoben , dass sie abwechselnd (unpaarig) stehen. Das diesem Blättchen gegenüberstehende einfache Blättchen zeichnet sich durch merklich grössere Dimensionen aus. Blatt 8 zeigt an der Basis zwei unpaarig gefiederte Blättchen (jedes mit 4 secundären Blättchen). Blatt 9: wie das vorhergehende, nur sind an dem einen Blättchen 5, am andern 6 secundäre Blättchen. Blatt 10: wie das vorige. Blatt 11: normal, nur sind die unteren zwei Blättchen merklich grösser. Blatt 12: hat die zwei unteren Blättchen gefiedert, a 7 secundäre Blättchen. An der Spitze der secundären Blättchen sowohl, als auch an einem der primären, zeigt sich durch tieferen Einschnitt eine starke Tendenz zur Theilung. Blätter 13 u. 14: zeigen ähnliche Verhältnisse. Sit^uiH/ vom l'S. Juli 1882. 115 Blatt 15: besteht nur aus zwei wiedergetiederteii Blättchen. Blatt 16: ist normal, aber sehr verkümmert. Blätter 17 — 21: sind alle normal. Am Zweige B., der nur 13 Blätter trägt, zeigt sich eine ähnliche abnorme Blattentwickelung, aber in anderer Reihen- folge und in den Einzelnheiten abweichend. Es ist überflüssig, hier die detaillirte Beschreibung zu geben. In der von mir zu Rathe gezogenen Literatur fand ich diese abnorme Heterophyllie beim Johannisbrotbaume nur einmal (von Gussonej erwähnt. Pasquale, der eine eigene Abhandlung über Heterophyllie geschrieben hat % spricht nicht davon; ebensowenig Moquin-Tandon in seiner Pflanzen -Tera- tologie, noch erwähnen De Caisdolle (im Prodromus), Bek- TOLONi (Flora Italica) etc. etwas darüber. Dagegen schreibt GussoNE, der fleissige und aufmerksame Beobachter, in seiner Florae Siculae Synopsis vol. II., Pars IL, pag. 646: „Ali- quando in foliis loco duorum foliolorum inferiorum petiolus partialis adest, et tunc ad petioli basim hipinnata evadunt. '' Diese von Güssone in Sicilien ge- machte Beobachtung scheint nicht sehr bekannt, und es dürfte deshalb eine Bestätigung derselben nicht unerwünscht sein. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Leopoldina, XVIII, 11 — 12. Juni 1882. Verhandlungen des naturhistor. Vereins der preuss. Rheinlande und Westfalens, 38, 2. Hälfte, 1881. Schriften der physikal. - Ökonom. Gesellschaft zu Königsberg i. Pr., 21. Jahrg., 2. Abth., 1880; 22. Jahrg., 1 Abth., 1881 und 2. Abth., 1882. 8. Bericht des botanischen Vereins zu Landshut, 1880-81. ^) G. A. Pasquale, Sulla Eteroftllia, Dissertazioue etc. Napoli 1867. 40. cum tab. VII. 7 ** Uß Ge^elhchaft nnturforAchender Freunde. Annual Report of the Smithsonian Institution, 1880. Proceedings of the Academy of natural Sciences of Philadelphia, part. I — III. Januar — December 1881. Bulletin of the Essex Institute, Salem (Mass.) XIII, 1—12. 1881. Congressional Directory, 47. Congress. Washington 1882. Missouri Historical Society Publication 5—6. 1881. Publicationen des Königl. preuss. geodätischen Instituts: Seiet, Gradmessungs-Nivellement zwischen Swinemünde und Konstanz. 1882. Fischer, Einfluss der Lateralrefraction auf das Messen von Horizontwinkeln. 1882. Low, Astronomisch-geodätische Ortsbestimmungen im Harz. 1881. Archiv f. Naturgeschichte, 48. Jahrg., 3. Heft. Druck von J. F. Starcke in Berlin. Nr. 8. 1882. S i t z II n g s - B e r i c h t der Gresellschaft naturforschender Freunde zu Berlin vom 17. October 1882. Director: Herr Websky. Herr ^EWBMG sprsich über Halicho er us grypusFABR. Ein längerer Aufenthalt, welchen ich kürzlich auf der Insel Rügen und speciell auf der Halbinsel Mönch gut genossen habe, bot mir die nicht gerade häufig vorkommende Gelegen- heit, ein Exemplar der sogen. Kegelrobbe, Halichoerus grypus Fabr., in frischem Zustande zu untersuchen. Es ist zwar über diese Species seit dem alten Prediger Fabricius, welcher dieselbe zuerst als besondere Art erkannt und mit dem Namen Phoca grypus bezeichnet hat ^) , ziemlich Viel pu- blicirt worden-^); dennoch glaube ich die nachfolgenden Beob- achtungen nicht zurückhalten zu sollen , da sie sich einerseits auf ein sehr ansehnliches Exemplar beziehen , andererseits einige Punkte berühren, welche in den mir bekannt gewordenen Publicationen noch nicht hervorgehoben sind. ^) Vergl. Schriften d. naturforsch. Ges. zu Kopenhagen, I. Bd., 2. Abth., pag. 149 ff. Tab. XII, Fig. 2. Kopenhagen, 1793. (Aus dem Dänischen übersetzt.) 2) Man vergl. unter Anderm Wiegmann's Archiv, 1841. VII, pag. 318; 1851. Bd. II, pag. 28; 1861. Bd. II, pag. 100. The Naturalist's Library, VIII, pag. 174 ff. Bell, British Quadrupeds, pag. 278 ff. Schreber- Wagner, Säugethiere, VII, pag. 11 ff. (Dr. Allen's History of North- American Pinnipeds, Washington, 1880, kenne ich leider noch nicht.) 8 llg Gesellschaft imturfor seh ender Freunde. Für die in der Umgebung der Halbinsel Mönchgut leben- den Phoken bildet das sogen. Goehren'sche Höwt (ein in der Nähe des Seebades Goehren liegendes, nach Osten vor- springendes Vorgebirge) einen Hauptsammelpunkt. Hier konnte man im August und September d. J. bei ruhigem Wetter die Seehunde sehr häufig, zumal gegen Abend, in geringer Entfer- nung vom Strande beobachten. Sie lagen hier mit Vorliebe auf den grossen Steinblöcken , welche das Goehren'sche Höwt umsäumen; an) liebsten wählten sie solche Steinblöcke, welche nicht ganz aus dem Wasser hervorragten , sondern noch so eben von demselben bedeckt wurden. Herr Stadtrath Fhiedel hierselbst hat kürzlich das Leben und Treiben der Seehunde an der bezeichneten Localität aus- führlich besprochen^), so dass ich hier nicht weiter darauf einzugehen brauche. Dort wurde auch die Kegelrobbe erbeutet, über die ich im Folgenden einige Mittheilungen machen will. Ein Schiffer, welcher am Abend des 9. September am Goehren'schen Höwt vorübersegelte, schoss dieselbe mit einer Kugel durch die Brust; das Thier wurde durch die Verwundung nicht sofort getödtet, sondern trieb sich während der Nacht noch im Meere umher und wurde am andern Morgen von einigen Fischern des Dorfes Lobbe, welches etwa eine Stunde vom Goehren'schen Höwt entfernt liegt, im sterbenden Zustande am Meeresstrande an- getroffen. Ich erhielt zufällig Kenntniss von diesem Funde der Lobber Fischer, begab mich schleunigst an Ort und Stelle und erwarb die Haut, sowie den Cadaver des Thieres für die zoo- logische Sammlung der kgl. landwirthschaftlichen Hochschule hierselbst, während die Fischer den Speck zur Thrangewinnung für sich behielten. Nach dem Gebiss konnte ich sofort constatiren, dass es sich nicht um ein grosses Exemplar des gemeinen Seehundes handelte, wie die Fischer meinten, sondern um einen Hali- choerus (jrypus. Es war ein starkes Männchen von an- sehnlichen Dimensionen. Die Länge von der Schnauzenspitze 1) „Zoolog. Garteü% 1882, pag. 147-148, 157-181. Sitzung vom 17. Octoher 1882. 1]9 bis zum Ende der Hinterfüsse betrug 2,20 Meter, also etwa 7 Fuss Rhein., das Gesammtgewicht 365 Pfund. Zwischen der Haut und dem Körper fand sich eine etwa 3 Finger dicke Schicht von Speck; zwischen den Muskeln und den Einge- weiden zeigten sich keine auffälligen Fettabsonderungen, wenn- gleich dieselben im Ganzen sehr fettig waren. ( Obiges Verhältniss wird ja überhaupt bei den Phoken beobachtet.) Das Gewicht des Specks belief sich auf 90 Pfund , woraus 40 Liter Thran gewonnen wurden. Bei der Zerlegung des Thieres, welche ich leider unter sehr ungünstigen Umständen , d. h. ohne geeignete Instru- mente , ohne Hülfe, unter freiem Himmel, umringt von neu- gierigen Dorfbewohnern und umschwärmt von zudringlichen Fliegen, vornehmen musste, zeigte sich das Maul und der Magen mit Ascariden überfüllt, welche theilweise noch lebten. Ich habe einige Dutzend derselben mitgebracht; sie gehören nach der gütigen Bestimmung meines Collegen, des Herrn Dr. Karsch, durchweg zu Ascaris osculata, also zu einer Species, welche nach der Angabe des Herrn Oscau voin LoEWis schon von Herrn Dr. Asmüss bei Halichoerus beob- achtet ist. ') Der sonstige Mageninhalt bestand nur in einigen macerirten Fischwirbeln, während die vorhandenen Ascariden nach Tausenden zählten ; ich habe etwa 3 — 4 Doppelhände voll aus dem Magen herausgeholt. Der Blinddarm war, wie das von den Phoken be- kannt ist, auffallend klein, nicht grösser als eine grosse Wall- nuss. Die Ges am mt länge des Darmkanals, welche bei Halichoerus bisher nicht constatirt zu sein scheint, habe ich mit Hülfe einiger Schuljungen genau gemessen; sie betrug etwas über 38 Meter und verhält sich also zur Gesammtlänge des Körpers etwa wie 17: 1, was für ein fleischfressendes Säuge- thier auffallend lang ist, aber in völliger Analogie zu denjeni- gen Messungen steht, welche frühere Forscher bereits bei an- deren Phociden constatirt haben. ^) Die Nieren zeigten eine ovale Gestalt und eine trauben- 1) „Zoolog. Garten", 1880, pag. 201. ^) Schreber-Wagner, a.a.O., pag. 8. 8* 120 Gesellschaft naturforschender Freunde. ähnliche Bildung; jede war etwa doppelt so gross wie die Faust eines Mannes. Die Hoden, etwa von der Grösse eines grossen Hühnereies, lagen in der Leistengegend. Der Penis, mit starker Vorhaut versehen, war etwa fusslang; er enthält eine ansehnlichen Knochen. Ich werde den letzteren später noch herauspräpariren, um seine Form festzustellen. Was das Skelet anbetrift't, so habe ich den Schädel, die ersten 4 Halswirbel , die sämratlichen Extremitätenknochen sowie die Kreuz- und Schwanz- Wirbel mitgebracht; die übri- gen Skelettheile musste ich, da die Fäulniss des Cadavers bei dem damals herrschenden warmen Wetter rasche Fortschritte machte, und da der Transport derselben von dem abgelegenen Fischerdorfe aus mit grossen Schwierigkeiten und Kosten ver- bunden gewesen wäre, vorläufig eingraben lassen; sie werden mir später, wenn sie vollständig abgefault sind , zugeschickt werden. Der Schädel zeigt eine langgestreckte Form mit scharf entwickelten Leisten und Muskelansätzen; seine Totallänge beträgt 278 mm, die Basilarlänge (nach HEKSEL'scher Methode gemessen) 245 mm, die grösste Jochbogenbreite 161 mm. Die grösste Länge des Unterkiefers beträgt, an der Aussenseite gemessen, 191 mm. Die Mehrzahl der ^aZ/cÄoen^s - Schädel, über welche ich Maassangaben in den einschlägigen Publica- tionen gefunden habe, zeigt geringere, zum Theil viel geringere Dimensionen. So auch die beiden Schädel des hiesigen ana- tomischen Museums sowie ein Exemplar des hiesigen zoolo- gischen Museums , welches letztere von Hiddensee (Rügen) stammt. ^) Ein sehr reiches Material an ^a/icÄoerws-Schädeln besitzt das zoologische Museum der Universität in Greifswald. Herr Prof. Dr. Gerstäcker, welcher mir auf meine Bitte in der liebenswürdigsten Weise Auskunft über das dort vorhan- dene Vergleichsmaterial gegeben hat, sagt darüber in einem Briefe vom 5. d. M. Folgendes: ^) Die beiden ersteren wurden mir von Herrn Prof. Dr. Hartmann, der letztere von Herrn Prof. Dr. Peters freundlichst zur Untersuchung dargeboten. Sitzimg vom Hl. Octoher i882. 121 „Das hiesige Museum besitzt von Halichoerns grypus im im Ganzen 34 macerirte Schädel und ausserdem 11, welche in ausgestopften Bälgen stecken. Alle Schädel stammen von Ostsee -Exemplaren. Zwei derselben gehören sehr alten und grossen Thieren an: a. b. Totallänge 282 mm 282 mm Basilarlänge 245 „ 245 „ Jochbogenbreite . . 179 „ 175 „ Während ich das Exemplar b. hier in der Sammlung vor- fand , habe ich a. im October 1870 von dem früheren Ober- förster FiCKERT in Sassnitz nach Berlin geschickt erhalten. Der Kopf wog im Fleisch (ohne Fell) 25 Pfund; er stammte von einem geschossenen Exemplar, welches nach der Angabe des Uebersenders 333 Pfund wog und 6V3 Fuss lang war. Ob dasselbe, wie zu vermuthen, ein Männchen war, konnte nicht festgestellt werden. Alle übrigen Schädel sind im Vergleich mit a. und b. klein; die beiden nächstgrössten haben 244 und 223 mm Totallänge. Besonders grosse ausgestopfte Exemplare von HaUchoerus sind im hiesigen Museum nicht vorhanden; die beiden grössten habe ich auf 1,965 und auf 1,920 m festgestellt." Wenn man die obigen Angaben des Herrn Professor Dr. Gerstäcker über die beiden grössten Schädel der Greifswalder Sammlung mit den Dimensionen des vorliegenden vergleicht, so erkennt man eine völlige Uebereinstimmung in der Basilar- länge (245 mm) und eine fast völlige Uebereinstimmung in der Totallänge (282, resp. 278 mm), während die Jochbogenbreite ziemlich bedeutend differirt. Ueberhaupt zeigen sich, wenn man eine grössere Zahl von //a/tcAoerMS-Schädeln vergleicht, mannigfache Variationen der einzelnen Schädelpartieen , sowohl nach Alter und Ge- schlecht, als auch nach Individuen. Dieses erkennt man be- sonders deutlich, wenn man den Schädel von Goehren ver- gleicht mit dem vorliegenden Schädel eines Halichoerns von Labrador, den das hiesige zoologische Museum vor einiger 122 Gesellschaft nattü'forscliender Freunde. Zeit durch den bekannten Naturalienhändler Möschler erhalten hat. Herr Professor Dr. Peters war so freundlich , mir denselben zum Vergleich anzuvertrauen. Es ist das grösste Exemplar, welches mir bekannt geworden ist, vielleicht das grösste, welches in deutschen Sammlungen überhaupt existirt.') Die Totallänge beträgt 288 mm, die Basilarlänge 255, die Jochbogenbreite 190, die Unterkieferlänge 200 mm. Wie schon aus diesen Zahlen hervorgeht, ist besonders der Abstand der Jochbogen von einander sehr bedeutend , wie denn überhaupt der Schädel sehr stark in die Breite entwickelt ist. Das sind ja im Wesentlichen Altersunterschiede. Aber wenn wir auch von den Altersdifferenzen absehen, so linden wir doch bei einem Vergleich mit dem Goehren'schen Schädel ausserdem noch manche bemerkenswerthe Abweichungen in den einzelnen Schä- deltheilen , obgleich beide Exemplare von starken Männchen herrühren. So z. B. ist das Verhältniss der Nasenbeine zu den Stirn- und Oberkiefer- Beinen, worauf Blasics bei der Unterscheidung von Wölfen und Füchsen ein bedeutendes Ge- wicht legt"), bei den vorliegenden Schädeln ein ganz verschie- denes; ebenso differirt die Bildung des Schnauzentheils, wel- cher bei dem Schädel von Labrador verhältnissmässig kürzer und breiter ist, als bei dem von Goehren. ^) 1) Nach den MittheiluDgen , welche mir der Bademeister Billicx iu Goehren gemacht hat, sind früher im Greifswalder Boddeu zuweilen Seehunde von kolossalen Dimensionen (von ihm als „Mopshunde" be- zeichnet) unter seiner Beihülfe erlegt worden; so z. B. 1848 ein Exem- plar, welches 177 Pfund Speck geliefert und ungefähr 450 Pfund Total- gewicht gehabt hat. Es handelt sich in diesen Fällen sicherlich um Halic/ioerus. Nach Collett (Proc. Zool. Soc. 1881, p. 386) erreichen die Kegelrobben an der norwegischen Küste ein Gewicht von 250 bis 290 Kilogramm. 2) Blasius, Säugethiere Deutschlands, Braunschweig, 1857, pag. 178, 179, 190. 3) Gute Abbildungen von Halichoerus - Schädeln scheinen in der deutschen Literatur kaum vorhanden zu sein. So z. B. sind die bei Blasius a. a. 0. pag. 255 und 256 gegebenen Holzschnitte für ausge- wachsene Schädel nicht zutreffend. Auch die von Giebel (Bronn's Classen und Ordnungen, Mammalia, Taf. 36. Fig. 7) gegebene Abbildung eines erwachsenen Ha/ic/werus-^c\mdeh erscheint mir ungenügend. Ich werde den Schädel von Goehren gelegentlich abbilden lassen. Sitzung vom 17. Octoher 1882. 123 Die Reobachtuiii]^ solcher Scliädeldifferenzen hat Hoim- scHücii einst veranlasst, innerhalb der Gattung IIalichoer?is drei specifisch verschiedene Formen aufzustellen, nämlich H. ma- crorhynchus, H. g r y p u s und H. pac h y r h y n c h u s. ') Diese ünterscheidunor ist aber von der Mehrzahl der Zoologen nicht acceptirt. Meine eigenen Untersuchungen sprechen ebenfalls dagegen, bestätigen aber die grosse Variabilität in der Schädel- form der Kegel robben. Diese Variabilität zeigt sich auch in manchen Ge- biss ver h ältnissen; so z.B. in der Wurzelbildung der hin- teren Backenzähne, in dem Hervortreten von kleinen Neben- zacken nicht nur an den hinteren Backenzähnen des Unterkiefers, sondern auch an den vorderen. -') Besonders interessant war es mir, an dem Schädel von Goehren im rechten Ober- kiefer statt der gewöhnlichen Zahl von 5 Backenzähnen 6 wohlgebildete Zähne vorzufinden. Ich fragte auch über diesen Punkt bei Herrn Prof. Dr. Gerstäckeu an und erhielt hin- sichtlich des Greifswalder Materials folgende Auskunft: „Ein accessorischer sechster oberer Molar kommt nicht selten vor; ich finde ihn unter den 34 Schädeln bei 5 ein- seitig, bei 3 beiderseitig. Ein gleicher 6. Molar im Unter- kiefer ist in keinem Fall vorhanden." Auch der eine Schädel des hiesigen anatomischen Mu- seums zeigt in einer Oberkieferhälfte die deutliche Alveole eines sechsten Zahns. Wir sehen also, dass bei Halichoerus ver- hältnissmässig häufig sechs obere Backenzähne vorkommen. Diese Beobachtung steht in naher Beziehung zu den Beob- achtungen, welche ich kürzlich hier in der Sitzung vom 16. Mai über das Gebiss der Hunde vorgetragen habe. (Vergl. Sitzungsbericht No. 5.) Wir finden nämlich bei den Hunden verhältnissmässig häufig statt der gewöhnlichen 2 Hocke r- 1) Vergl. Wiegmann's Arch. f. Naturg., 1851, II., pag. 28 ff. 2) Der vorliegende grosse Schädel von Labrador zeigt an den drei hinteren und an dem vordersten Backenzahne des Unterkiefers je einen vorderen und hinteren Nebenzacken , wenn auch in schwacher Ent- wickelung; der Schädel von Goehren besitzt dergleichen Nebenzacken nur an den beiden hinteren Backenzähnen des Unterkiefers. 124 Gesellschaft naturforschender Freunde. Zähne drei solche, und zwar meistens im Oberkiefer, seltener im Unterkiefer. Herr Prof. Dr. Jon. Ranke, Generalsecretär der deutschen anthrop. Gesellschaft, hat kürzlich in dem wissenschaftlichen Jahresberichte, welchen er auf der General-Versammlung der genannten Gesellschaft zu Frankfurt a. M. erstattet hat, auf meine diesbezüglichen Mittheilungen freundlichst Rücksicht ge- nommen und den Hauptinhalt derselben erwähnt. ^) Er fügt dieser Erwähnung folgende Worte hinzu: „Es sind das Miss- bildungen, die in gewissem Sinne an die als Missbildung beim Menschen und bei Thieren auftretenden überzähHgen und unterzähligen Finger und Zehen erinnern." Diese Worte könnten so verstanden werden , als ob sie meine eigene Ansicht von den sog. überzähligen Zähnen aus- drückten. Das ist aber keineswegs der Fall; um Miss Ver- ständnisse zu vermeiden, benutze ich deshalb diese Gelegenheit, um ausdrücklich zu constatiren, dass ich solche sog. über- zählige Zähne, sofern sie nicht stehengebliebene Milchzähne oder überhaupt krankhafte Bildungen sind, keineswegs als „Missbildungen" ansehe. Dann müssten die Gebisse ge- wisser tertiärer Caniden oder des lebenden Otocyon megaloiü, welche regelmässig drei Höckerzähne aufweisen, ebenfalls als Missbildungen angesehen werden. Dann müsste man auch das oben bei verhältnissmässig vielen Halichoerus-'&Q\\MQ\n consta- tirte Vorkommen eines 6. oberen Backenzahns als Missbildung bezeichnen. Das wird man doch nicht thun wollen. Ich kann den Ausdruck „überzählig" überhaupt für die vorliegenden Fälle nicht anerkennen oder finde ihn wenigstens nicht glücklich gewählt. Es existiren viele Säugethiere , bei denen der vorderste Prämolar, es giebt andere, bei denen der hinterste Molar in seinem Auftreten grossen Schwankungen unterworfen ist. Es giebt z. B. *Scmrws-Arten , bei denen der vorderste Prämolar des Oberkiefers regelmässig vorhanden ist; es giebt andere, bei denen er regelmässig fehlt. Soll man da 1) Vergl. Correspondenzblatt d. deutsch, anthrop. Gesellsch. 1882, No. 9^ pag. 116. Sitzung vom 11. October 1882. 125 im ersteren Falle von „überzählig", oder im letzteren von „unterzählig" und überhaupt von „Missbildung'* reden? Wir müssen eben die hergebrachte Auffassung von den Zahnformeln der Säugethiere modificiren , resp. berichtigen. Die Zahnformel der Säugethiere ist keine ma- thematische Formel; das Gebiss ist nichts Starres, Unver- änderliches. Sowie die Behaarung, die Färbung, die Länge der Ohren , des Schwanzes variiren , so variiren auch die Skelettheile, so variirt Zahl und Form der Zähne, und zwar erkenne ich darin einerseits eine Anknüpfung an frühere, der Vorzeit angehörige Entwickelungs- Verhältnisse (also an fossile Formen), andererseits finde ich darin eine Tendenz zur Weiter- entwickelung, welche letztere meist als Anpassung an Ver- änderungen der Nahrung, des Klimas oder sonstiger wichtiger Factoren anzusehen sein wird. In dem vorliegenden Falle haben wir das Auftreten eines 6. oberen Backenzahns sehr wahrscheinlich als eine Remi- niscenz an fossile Vorfahren des heutigen Halichoerus zu be- trachten. Dass wir einen solchen Zahn im Unterkiefer nicht erscheinen sehen, steht in Analogie mit Beobachtungen, welche über andere, im Zustande einer gewissen Reduction befindliche Säugethier-Gebisse vorliegen; der letzte Backenzahn des Unter- kiefers ist meistens eher dauernd verschwunden, als der ent- sprechende Zahn des Oberkiefers. Man denke z. B. an die Gebisse der Katzen und Hyaenen. — Hinsichtlich der übrigen Skelettheile des Halichoerus von Goehren theile ich vorläufig nur einige Längenangaben mit: L Scapula *) . 215 mm grösste Länge 2. Humerus . 165 •>^ 11 11 2. Ulna .... 198 ?i 11 11 3. Radius . . 160 •:1 11 11 5. Becken . . 292 11 11 11 6. Femur . . 125 11 11 11 7. Tibia . . . 270 11 11 r) 8. Fibula . . 272 11 11 11 ^) Excl. des verknöcherten hinteren Knorpelraudes. 1 26 Gesellsc/iaft nutnrforschender Freunde. Das Kreuzbein besteht aus 4 mit einander fest verwach- senen Wirbein, von denen nur die beiden vordersten an der Kreuzbeinsymphyse Theil haben. Schwanzwirbel sind 14 vor- handen. ^) Die Zahl der Rippen beträgt 15, von denen 11 als wahre, 4 als falsche Rippen zu bezeichnen sind. Hinsichtlich der geographischen Verbreitung der Kegel robbe bemerke ich, dass dieselbe sich ausser in der Ostsee auch an der Westküste Skandinaviens, an den Küsten Englands, Schottlands und Irlands, sowie auch an den Küsten von Island , Grönland und Labrador findet. In den meisten zoologischen Handbüchern (z. B. bei CAnus-GERSTiCKiiR, Claus, Giebel, Blasils) wird ihr Vorkommen im nordöstlichen Ame- rika auftallenderweise gar nicht erwähnt , obgleich die erste Unterscheidung der Species überhaupt nach einem grönlän- dischen Exemplare gemacht ist. Nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Prof. Dr. Gerstäckek, welche sich auf die Zahl der an das Greifs- walder zoologische Museum eingelieferten Exemplare stützt, soll die Kegelrobbe „der bei weitem häufigste Seehund der Ostsee'' sein. Nach meinen eigenen (allerdings sehr unmaass- geblichen) Beobachtungen, sowie nach den Erkundigungen, welche ich bei den Fischern in Goehren und Lobbe, bei dem königl. Fischermeister in Putbus und bei Herrn Dr. G. v. Halliii ebendaselbst, sowie bei Herrn Stadtrath Fhiedel hierselbst eingezogen habe, erscheint die mir freundlichst mitgetheilte Annahme des Herrn Prof. Dr. Gerstäckek immerhin etwas zweifelhaft. Es wäre doch wohl möglich, dass man seit Jahren vorzugsweise Exemplare von Halichoerus als besonders merk- würdig an das genannte Museum eingeliefert hätte, wäh- rend man es bei Phoca vitulina nicht für der Mühe werth hielt. Die geringe Zahl der in anderen deutschen Sammlungen vorhandenen Halichoerus - Schädel gegenüber denen von Phoca vitulina dürfte vielleicht für meine Annahme sprechen.-) Jeden- falls bedarf dieser Punkt noch einer genaueren und allseiti- geren Feststellung. Es würde mich freuen, wenn meine obigen ^) Man vergl. die entsprechenden Angaben über andere Phoken- arten bei Schreber-Wagner a. a. 0. pag. 7. ■') Vergl. CoLLETT in Proc. Zool. Soc. 1881,. pag. 380. SitctüH/ vom 17. (Mohär 1882. 127 Mittheilungen zu weiteren Beobaclitungen über das häufigere oder seltenere Vorkommen der Kegelrobbe, eines der schlimm- sten Fischfeinde in der Ostsee, Veranlassung geben würden. Herr W. Peters schlug vor, den Namen der Ba- trachiergattung Hi/lonomus in Hyloscirtus zu ändern und legte zwei neue Arten von Schlangen, Microsoma notatum und Liophis Y graecum vor. Hyloscirtus Ptrs. Am 18. Juli d. J. (5. Sitzungsberichte p. 107) hatte ich die Ehre, der Gesellschaft eine neue Gattung von Batrachiern aus Bogota vorzulegen, welche ich Hylonomus genannt hatte. Da dieser Name aber bereits früher von Dawson für eine fossile Gattung von Sauriern gebraucht ist (s. Ann. Mag. Nat. Hist. 3. ser. 1860. V. p. 70), schlage ich vor, die Batrachiergattung Hyloscirtus zu nennen. Durch einen Händler hat das zoologische Museum eine neue ausgezeichnete Art der Schlangengattung Microsoma Jan erhalten, von welcher wir bis jetzt drei Arten kennen , welche in VVestafrica zu Hause sind. Es sind kleine, der Gruppe der opisthoglyphen Calamariae angehörige Arten, deren langer Furchenzahn so weit nach vorn gerückt ist, dass Jan hierdurch getäuscht, sie zu den giftigen Elapinen stellte. Microsoma notatum n. sp. M. supra brunneum, serie macularum du2^lici , capite, torque lato caudaque atris, subtus jlavidum. Supralabialibus utrinqne 7, squamis Ib-seriatis ; srutis abdominalibus ISl, anali diviso, squa- mis subcaudalibus 18 -|-. Präfrontalia merklich breiter als lang, nicht länger als die Internasalia. Das hexagonale Frontale länger als breit. Parietalia lang, hinten abgestutzt. Nasloch zwischen zwei Na- salia. Ein Ante- und ein Postorbitale. Temporale 1 + 1» das vordere an das Postorbitale stossend. Jederseitig 7 Suprala- bialia, das erste an das Internasale, das 3. und 4. ans Auge stossend. 6 Infralabialia, 2 Paar Submentalia, von denen das erste das längere ist; das Mentale wird durch das erste, mit \ 28 Gesellücliaft naturforschender Freunde. dem der anderen Seite zusammenstossende Tnfralabiale von den Subnientalia getrennt. Körperschuppen glänzend glatt, ohne Endporen, in 15 Längsreihen. Abdoniinalschilder 181, Anale getheilt. Es sind an dem vorliegenden Exemplar nur 18 Paar Subcaudalia vor- handen , da der Schwanz aber am Ende dick abgerundet ist, lässt sich annehmen, dass er verstümmelt und die normale Zahl der Subcaudalia grösser ist. Die Rückseite erscheint hellbraun; jederseits auf der dritten Schuppenreihe eine Reihe (von 42) kleiner schwarzer Flecke, deren Umgebung heller ist, während die einzelnen Schuppen dunkler gerändert sind. Oberseite des Kopfes und ein 7 Schuppen- reihen breites Halsband blauschwarz. Das 1. bis 3. Supra- labiale mit einem kleinen hellen Fleck, das 4. und 5. zum grössten Theile gelb. Die Ränder der Infralabialia mehr oder weniger schwarz; sonst ist die ganze Unterseite des Kopfes wie der Bauch und die Unterseite des Schwanzes, welcher oben blauschwarz ist, gelb. Der genaue Fundort des einzigen vorliegenden Exemplars (No. 10271 M. B.) ist nicht bekannt. Von einer zweiten neuen Schlangenart, welche ich mir erlaube, hier vorzulegen, sind seit einer Reihe von Jahren zwei Exemplare (No. 2208 und 2215 M. B.) in unserer Sammlung mit anderen als „Liophis regiiiae'"' aufgestellt gewesen und als solche auch in dem leidigen ,^Nome7iclator etc." von 1856 auf- geführt worden. Ein altes Etiquet, welches sich unter der neuen noch befand, zeigte die Bezeichnung „Lioj?/«s Y graecum'' und die Nachricht, dass sie aus der 14. Sendung von Sellow stamme. In dem Verzeichniss fand sich denn auch glücklicher- weise die Nachricht, dass sie von der Villa de Guar atinqu et a, in der Provinz S. Paulo in Brasilien stamme. Schon wegen der Beschaffenheit der Schuppen, welche porenlos und nicht mit einer Endpore versehen sind, unterscheidet sich diese Art von L. reginae und gehört daher nicht zu den LiopMs im enge- ren Sinne, sondern zu den LygopMs. Sitzung vom 17. üctober 1882. 129 Liophis (LygopMs) Ygraecum n. sp. L. rostrali prominente, subconico, supralabialibus utrinque S ; squamis Id-seriatis. Snpra brunneus vel fuscus, maculis plus minus distinctis iitrinque triseriatis, suhtus ruber, nigromaculatus ; capite signo Y graeco simili. Scut. abd. 154 ad 158, anali di- viso, squamis subcaudalibus 68. Schnauze convex, mit vorragendem Rostrale. Internasalia ungefähr eben so lang wie breit, mit abgerundeten Winkeln; Präfrontalia um die Hälfte breiter als jene. Frontale penta- gonal, vorn abgestutzt, mit hinterem lang ausgezogenem spitzen Winkel. Parietalia hinten abgerundet, nicht länger als das Frontale. Frenale viel höher als lang. Ein Ante-, zwei Postor- bitalia. 8 Supralabialia, von denen das 4. und 5. ans Auge stossen. Temporalia 1 + 2. 9 Infralabialia, von denen 6 an die Submentalia stossen, das erste mit dem der anderen Seite zusammenstösst. Zwei Paar Submentalia von gleicher Länge. Körperschuppen glatt, rhomboidal, ohne Endporen, in 19 Längsreihen. Bauchschilder bei einem Exemplar 154, bei dem andern 158, ein getheiltes Anale und 66 bis 68 Paar Sub- caudalia. Farbe oben braun oder schwarzbraun, jederseits mit drei Reihen von unregelmässigen Flecken, welche in der Mitte braun- gelb, am Rande schwarz sind. Bauchseite roth (verblasst gelb), mit schwarzen, fast viereckigen Flecken an den Seiten der Bauchschilder, welche entweder kurz sind oder theilweise in der Mitte zu Querbinden zusammentreten. Kopf braun; die gelbe Färbung der Ränder des Frontale setzt sich bis zur Mitte des Innenrandes der Parietalia fort, wodurch eine dem Y ähn- liche Zeichnung entsteht. Ante-, Postorbitalia und Suprala- bialia gelb, letztere schwarz gerändert. Der Schwanz mit drei Reihen von Flecken, unten gelb. Totallänge 47 cm; Kopf 18 mm; Schwanz 10 cm. Von der Villa de Guarati nque ta, Provinz S. Paulo in Brasilien, durch Friedrich Sellow eingesandt im Jahre 1830. ]^30 Gesei/sc/io/t naturforschender Freunde. Herr (r. SCHACKO sprach über Vorkommen voll- kommen ausgebildeter Embryonen bei einer Rhi- zopode, Peneroplis proteas d'OuB. Diese durch Forin- wechsel im Aufbau der Kammern bekannte und interessante Art gehört zu den imperforaten Polythalamien und lebt in dem west-indischen Meere. Abbildungen von Peneroplis proteus d'OnB. giebt d'OnßiG.NY in Foraminiferes de Tile de Cuba par M. Ramon de Sagra. Taf. VII, Fig. 7, 8, 9. Der Darminhalt einer Holothurie aus der Campeche -Bai, welcher untersucht worden war, lieferte eine Anzahl gut erhaltener Individuen von P. proteas unter denen sich auch das mit Embryonen angefüllte Exemplar be- fand. Während die Mehrzahl fast nur die Grösse von 1 mm erreichte, zeigte letzteres eine Länge von kaum 0,5 mm und eine Breite von 0,42 mm, war vollständig ausgebildet, unver- letzt, gehörte der regelmässig gebauten, typischen Fächer-Form an, war gut und hell durchsichtig, und die Embryonen-Schalen waren klar und deutlich. Dieselben sind von derselben Grösse und Form wie die Embryonalkammer des Mutterthieres. Betrachtet man den Bau der Schale von Peneroplis proteus näher, so erkennt man zuerst die grosse Embryonal-Schale mit ihrer Windung. Sie hat eine monothalame, flaschenförmige, den Lageniden nicht unähnliche Form mit langem Hals, ist nicht monaxon wie die Lagenen , sondern der Hals hat sich umge- bogen und an die Wandung des elliptisch eiförmigen Theils gelegt, und ebenso hat die platt gedrückte Oeffnung sich flach an die Wandung angeschmiegt. Der monaxone Charakter ist somit aufgegeben, der bilaterale dafür eingetreten, und die Spirale bereits im Embryo zum typischen Ausdruck gekommen. An die Embryonal - Kammer setzen sich nun 10 kleine, fast runde Kammern in spiraliger Ebene perlenschnurartig an, ihre Oeflfnungen zum Theil zuerst dicht an die Peripherie der Em- bryonalkammer legend. Später entfernen sie sich immer mehr und treten als runde Verbindungsröhren der Kammern unter- einander auf. Somit wäre der erste Spiral-Umgang der Kam- mern beendet. Es folgen nun, einen halben Umgang bildend, 9 etwas lang gestrecktere Kammern; aber es bilden sich bereits in der Septal- Kammerwand 2 Verbindungsröhren, und in der Sitzuixj vom. 11. üvtoher 1882. 131 letzten von diesen Kammern erscheint die erste bereits voll- ständig ausgebildete, junge Embryonalschale, fast den ganzen Innenrauni derselben ausfüllend. Die jetzt nun folgenden 10 grossen Kammern nehmen nach aussen an Breite sehr zu, werden aber fast keilförmig, indem sie sich gegen das Centrum neigen. Alle diese Kammern sind mit Embryonen angefüllt und zwar von verschiedener Form- Entwicklung. Während in dem breiten Theil der Kammern die Embryonen regelmässig sich entwickeln, nehmen die im keilförmigen Theil der Kammer sich befindenden auch eine keilförmig gedrückte Form an. Nachdem sich nun eine keilförmige Kammer, entgegengesetzt der Richtung der früheren Keilkammern, gebildet, tritt hierdurch ein Wendepunkt im Spiral-Bau des Thieres ein. Es hat sich nun eine Basis zum geraden Aufbau der Kammern gebildet. Es können nun jetzt durch Aufbau von Kammern verschiedene Formen erzeugt werden, je nachdem die Kammern sich in gleichmässiger Breite entwickeln und stabförmig vertebral auf- setzen oder sich immer mehr in die Breite ausdehnen, wo- durch alle möglichen kelch- und fächerartigen Gebilde ent- stehen können. Das die Embryonen enthaltende Individuum hatte nur noch 2 breite gut und normal entwickelte Kammern gebildet, und da auch die Septal-Kammerwand an Höhe zugenommen hatte, 2 parallellaufende Reihen von Communicationsröhren gebildet. Sämmtliche unter sich communizirenden Kammern stehen somit nur durch diese 2 Reihen von Röhrchen mit der Aussen- welt in Verbindung. Die gut ausgebildeten Embryonen lagen nun in der letzten grossen Kammer 15 Stück der Reihe nach, und zwar, da es die Dicke der Kammer gestattete, in doppelter Reihe dicht gedrängt neben und übereinander, so dass in dieser Kammer 30 Stück Embryonen vollkommen der Grösse der Embryonal- kammer des Mutterthieres entsprechend sich ausgebildet hatten. Die vorletzte Kammer lieferte, da sie nicht so breit als die letzte ist, nur 26 Stück Embryonen, genau in derselben Ordnung und Lage gut ausgebildet. Die nun folgenden früher beschriebenen keilförmigen Kam- 132 Gesellschaft naturforschender Freunde. mern sind nur einreihig durchbohrt und liefern, wie vorher be- merkt war, zum Theil nur unregehnässig geformte Embryonen, etwa 60 Stück noch, so dass im vollständigen Thier 118 Stück Embryonen aufgefunden worden sind. Da nun alle Embryonen von regelmässiger oder unregel- mässiger Form in allen Kammern fast gleiche Raum Verhält- nisse zeigen , so dürfte man vielleicht vermuthen, dass eine sehr gleichmässise Abschnürung der Sarkode oder ein recht gleichmässiger Zerfall des ganzen Weichkörpers stattgefunden haben könnte, gerade wie wir den ganzen Inhalt der Central- kapsel bei den Radiolarien in die Brutbildung eingehen sehen. Da bei PenerojAls die Embryonen nur ins Freie gelangen können, wenn die Kammern Stück für Stück vom Mutterthier abgebrochen werden, und dies durch die nur leichte und ober- flächliche Anheftung der obersten dünnen Deckflächen auf die Septal-K ammerwände leicht geschehen kann, durch schwachen Druck der Embryonen selbst von Innen, so wird hierdurch, indem die Kammern sich vom Mutterthier ablösen, dasselbe vielleicht ganz zerstört, oder höchstens die Kammern, welche ihrer Kleinheit wegen keine Embryonen normal ausbilden konnten, mit der Mutter-Embryonalkammer erhalten. Auch möchte noch bemerkt werden, dass die unregdmässig entwickelten Embryonen wohl Anlass geben möchten "zu der grossen Form-Verschiedenheit, zu der FeneropUs proteus neigt. Anderseits würden, da jene abnormen Formen weniger keil- förmige Kammern bilden, hier wieder weit mehr regelmässig gebaute Embryonen erzeugt werden können , die dann wieder zu der typischen Fächerform sich ausbilden können. ^ Doch liegen hierüber keine directe Beobachtungen vor. Eine Zeichnung, welche mit dem Prisma angefertigt und alle Verhältnisse bei löOfacher Vergrösserung und die der Embryonen bei 420 facher klar und deutlich zeigte, wurde vorgelegt. Herr Mag^TS brachte folgende ihm von Herrn Oberlehrer Dr. F. Ludwig in Greiz zugesandten mykologischen Beobachtnngen desselben zum- Vor- trag und legte die ihm vom Verf. freundlichst mitgetheilten Belagsobjecte der Gesellschaft zur Kenntnissnahme vor. Sitzung vom. il. October 1882. 133 1. Ilypholoma fasciculare Hüds. als Feind der Wald- bäume. Im Pohlitzer Forstrevier bei Greiz fand ich in diesem Herbste eine Anzahl kränkelnder Kiefern, deren Nadeln bis auf einzelne terminale, noch »rüne Büschel abgefallen waren. Die Wurzel derselben war von einem Mycelium völlig zerstört, die Rinde theilweise abgesprengt worden. Bei einigen Exem- plaren war deutlich zu erkennen, dass das Mycel dem Schwefel- kopf, Hypholoma ßfsciculare HuDS. angehört. Der Stamm der- selben dicht über der Wurzel war nämlich ringsum besetzt von 30 — 100 grösseren und kleineren Fruchtkörpern jenes Blätterschwammes. Dass der sonst als Saprophyt (Bewohner faulender Stöcke etc. ) bekannte Pilz hier der Urheber der Kiefernkrankheit war, geht daraus hervor, dass die vom Mycelium des Pilzes durchwucherten Wurzeln sonst meist noch ganz frisch waren und keinerlei äussere Verletzung zeigten. (1 Exemplar d. kranken Kiefern mit d. Hypholomabüschel wurde der Gesellschaft vorgezeigt.) 2. Ueber die Rhizomorphabildung des Haus- schwamm es, MeruUus lacrynians Fr., und andere Zer- störer unserer Häuser. Während des letzten Sommers wurde in den Parterre-Räumlichkeiten meines Hauses die Diele heraus-^erissen, welche vom Hausschwamm völlig zerstört worden war. Die rasche Zersetzung wird hauptsächlich durch das My- celium des Pilzes bewirkt und verbreitet. In den Mycelhäuten beobachtete ich häufig sehr derbe Rhizomorphastränge, deren Bau dem der bekannten Rhizomorphen völlig gleich ist. Die Verzweigungen derselben sind in der Regel noch durch das häutige Mycel verbunden, finden sich aber auch zuweilen be- sonders in feuchten Mauern ohne dasselbe. Das, meines Wissens bisher unbeachtete. Vorkommen eines Dauerzustandes des Myceliums von MeruUus lacrymans in Form sehr derb- wandiger Rhizomorphastränge erklärt die fabelhaft rasche und weite Verbreitung des Pilzes in Mauern und Holzwerk. Die Fruchtkörper in umgewendeten Lappen oder etagenweis über- einander stehenden Hüten (so fand ich den Pilz meist im Walde) kamen in Unmenge zur Ausbildung nachdem die aus- gerissenen Dielen und Balken bei feuchtem Wetter einige Tage an der Luft gelegen. Es zeigte sich dann auch, dass nicht 8** 134 Gesellschaft naturforschende?' Freunde. alle Schuld an der raschen Zerstörung der Dielen den Merullus traf, vielmehr waren einige in gleicher Weise zerstörte Dielen von dessen Fruchtkörpern frei geblieben, dafür z. Theil völlig überzogen von Corticium puteanum (Schüm.j, z. Theil von Polyporus vaporarius Pers. bedeckt. Unter den Genossen des Hausschwammes fanden sich auch /■'otyporus Ftychogaater Lud- wig und nur in einer Zimmerecke auftretend Folyporus clestruc- tor Fr. Ein Stück der durch Merulius zersetzten und zerbröckelten erst 3 Jahre zuvor gelegten Diele, sowie die Rhizomorpha an Merulius lacrymans und Corticium puteanuvi wurden der Gesell- schaft vorgelegt. 3. In letzter Zeit wurde in der Umgegend von Greiz eine Fleckenkrankheit der Bohnen, besonders des Fhaseolus vulgaris L., lästig. An den Stengeln und Blattrippen traten zuerst schwarze Flecke auf; dann entstanden schwarze Ver- tiefungen und Flecken an den Hülsen; zuletzt gingen diese selbst völlig in Fäulniss über. Dieselbe Krankheit fand ich an den aus Zwickau, Altenburg etc. nach Greiz zu Markte kommenden Bohnen, sowie an Bohnen aus dem Garten des Herrn Amts- richter Schlemm in Isenhagen bei Uelzen. Die durch Gloeo- sporiumLindemuthianum Sacc. und Magnus hervorgerufene Krank- heit wurde von Hrn. Prof. Frank im vorigen Jahre in Potsdam beobachtet. Die Entwicklungsgeschichte des Pilzes, welche der- selbe genauer studirt hat, wird einer briefl. Mittheilung zu- folge demnächst veröffentlicht werden. 4. S]jh aerotilus natans Kütz. Eyferth sagt in seinem Aufsatz „zur Morphologie der niederen Pilze" Bot. Ztg. 1880 p. 677. „Der typische Sphaerotilus natans scheint für d. Wasser eine sehr nützliche Vegetation zu sein. Das Wasser wird, wenn es vorher auch sehr übelriechend war, bald geruchlos." Ich habe das Gegentheil bewiesen in d. Zeitschr. f. ges. Ntw. 1877 Nov.-Dec.-Heft p. 269 ti: in d. Aufsatz: „Ein plötzliches und massenhaftes durch Brauereiabflüsse hervorgerufenes Auf- treten von Sphaerotilus natans Kütz bei Greiz." Die daselbst niedergelegten Beob. fand ich bestätigt an dem „Krebsbach" in Teichwolframsdorf im Weimarischen , der unterhalb einer Brauerei dicht mit den die Luft verpestenden Sphaerotilusrasen besetzt ist. Sitzung vom 17. October 1882. 135 5. lieber einen neuen phosphorescire n den Pilz Agaricus (Collybia) tuberosus Bull. Ich habe im Botanischen Centralblatt Bd. XII. 1882 pag. 104 die Phosphorescenz der aus den Sclerotien von Agaricus (Collybia) tuberosus Bull, her- vorwachsenden Mycelien beschrieben und erörtert und möchte hierzu noch Folgendes bemerken. Ich habe am 4. October wieder zahlreiche Sclerotien von Collybia tub er osa zusammen- getragen und da, wo aus denselben MyceUen hervorgebrochen, die Phosphorescenz beobachtet; indessen dürften die Beobach- tungen nicht immer so leicht und einfach sein, als es nach den zuerst veröffentlichten scheinen möchte und mir selbst — ich hatte dort sehr üppige Mycelien — erschien. Meist trifft man um die jetzige Jahreszeit nur noch sehr dürftige mit den Scle- rotien zusammenhängende Mycelien und deren Phosphorescenz ist zuweilen recht schwach. Ich habe dieselbe verglichen mit der des faulen Holzes, welches durch das Mycel des Hallimasch [Agaricus (Armillaria) melleus Vahl] in „Lichtfäule'' versetzt ist, indem ich von beiden gleich grosse Stücke so weit vom Auge entfernte, bis das Leuchten eben verschwand; ich bekam bei dem Agar, melleus für das Stückchen 1,55 m, für das Collybia - Mycel nur 0,35 m, so dass die Intensität des letzteren kaum V.o der des lichtfaulen Holzes betrug. Dem- entsprechend sah ich die Phosphorescenz des betreffenden Mycels nur am Abend in einem völlig gegen das Strassenlicht verschlossenen Zimmer, nachdem bei einem 5 — 10 Minuten dauernden Aufenthalt im Dunkeln Nachbilder und Lichtwolken aus dem Auge völlig verschwunden waren, dann aber so deut- lich, dass ich verschiedene darauf bezügliche Experimente vor- nehmen konnte. Wie gesagt trifft man besonders in früherer Jahreszeit günstigere Exemplare, und zweifele ich nicht daran, dass dann das Leuchten, wie das des lichtfaulen Holzes etc. auch im Freien deutlich wahrzunehmen ist (das lichtfaule Ver- gleichsholz leuchtete schon im halbdunkelen Zimmer bei unver- schlossenen Fenstern). Exemplare der hornförmigen Sclerotien {Sclerotium cornutum) mit und ohne von ihnen entsprungenen Hüten der Collybia tuberosa wurden der Gesellschaft vorgelegt. 136 Gesellschaft naturforschender Freunde. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Sitzungsberichte der Königl. preuss. Akad. der Wissenschaften, 1882, No. 18-38. Abhandlungen der Königl. preuss. Akad. der Wissenschaften, 1880 u. 1881. Mittheilungen der zoolog. Station zu Neapel, III., 4. 1882. Mittheilungen aus dem Jahrbuch der Königl. ungar. geolog. Anstalt, VI., 2. 1882. 21. Bericht der oberhess. Gesellsch. für Natur- und Heilkunde. Giessen, 1882. Jahreshefte des naturwissensch. Vereins für Lüneburg, VIII. 1879-1882. 9. — 12. Jahresbericht des naturwissensch. Vereins zu Magde- burg, 1878 — 1881. 40. Bericht über das Museum P'rancisco-Carolinum in Linz, 1882. VII. u. VIII. Jahresbericht der Gewerbeschule zu Bistritz, 1881 — 1882. Jahresbericht der Vorsteherschaft d. naturhistor. Museums in Lübeck, 1881. Leopoldina, XVIII, 13—18. Juli— September 1882. Atti della R. Acad. dei Lincei, 1879. Trans. VL, 13—14. 1881 — 1882. Tydschrift d. nederland'sche dierkundige Vereeniging, VI., 1. 1882. Proceedings of the Zoological Society of London, 1882, part 1 u. 2, und Index 1871 — 1880. List of the fellows of the Zoological Society of London, 1882. Journal of the Royal Microscopical Society, 29 — 30. August — October 1882. Bulletin of the Museum of Comparative Zoology, X., 1. Science Observer, Boston, IV., 37 — 38. Druck von J. F. Starcke in Berlin. Nr. 9. 1882. S i t z u 11 g s - Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin vom 21. November 1882. Director: Herr Websky, Herr W. PETERS legte eine neue Art der nrodelen Batrachier, Oedipus yucatanus ^ aus Yucatan (Centralamerica) vor. Spelerpus (Oedipus) yucatanus n. sp. Sp. ater, supra ochraceo variegatus, suhtus punctatus. Habitatio : Yucatan. Kopfbreite etwa 7 mal in der Entfernung der Schnauzen- spitze von dem After enthalten. Körperseitenfalten zwischen den Gliedmassen 13. Schwanz an den Seiten mit etwa 15 Falten versehen. Finger und Zehen bis zum Ende von der Haut eingehüllt; kein Glied aus derselben hervorragend. Keil- beinzähne beider Seiten zusammenstossend. Schwanz anfangs abgeplattet, am Ende conisch zugespitzt. Blauschwarz, oben ochergelb gescheckt, in der Art, dass diese letzte Färbung jederseits eine unregelmässige Längsbinde bildet, welche zwischen den Augen durch eine Querbinde vereinigt sind. Die schwarze Rückenmitte ist ochergelb besprengt, die ochergelben Seiten sind dagegen schwarz besprengt. Unterseite mit ochergelben Punkten, welche am ünterkinn und an der Brust, in der Analgegend und unter dem Schwänze besonders häufig' sind. Hand und Fiisssohlen schmutzig ochergelb. 9 138 Gesellschaft naturforschender Freunde. Totallänge 125; Kopf 12; Kopfbreite 9,5; Schnauze bis After Qß\ Schnauze bis vordere PJxtremität 18; Entfernung der vorderen von der hinteren Extremität 38; vordere Extre- mität 15; Hand 5; hintere Extremität 16; Fuss 5,5; Schwanz 52 mm. Diese Art ist am nächsten verwandt mit Oedipus Ugnicolor Ptrs. (M. B. Berl. Akad. 1873. pag. 617), der aber einen merklich kürzeren Körper hat, so dass die Kopfbreite nur etwa fünfmal in der Entfernung des Schnauzenendes vom After enthalten ist. Das einzige Exemplar (No. 10231 M. B.) habe ich durch den Naturalienhändler Herrn Boucard in Paris erhalten. Herr v. MARXENS zeigte einige Conchylien vor, welche Dr. AuREL und Arthur Kkause während ihrer Rückreise von den Küsten des stillen Oceans durch Amerika gesammelt ha- ben. Der letztere wählte den nördlicheren Landweg von der Vancouverinsel zu den canadischen Seen durch die Territorien Washington, Montana, Dacota und den Staat Minnesota, im September und October 1882, theilweise schon auf der neuen Eisenbahn, ein gutes Stück aber auch noch in der Postkutsche, und benutzte die kurze Rast auf einzelnen Sta- tionen unter Anderm auch, um Landschnecken zu sammeln, was um so dankenswerther ist, als aus diesen Gebieten bis jetzt fast noch Nichts bekannt war, daher hier alle Arten an- geführt werden mögen : 1. Bei Port Townsend an der Südseite der Juan-de- Fuca-Strasse: Helix columbiana Lea, J'atula striatella Avtuovy uud Macrocyclis (Selenites) Voyana Newc. 2. Crossing bei den Th ompson- Fällen am Clarke's Fork (Columbia): HelLv Townsendiana var. ptychophora Brown, H. appressa Say und Patula solitaria Say var. occidentalis n. 3. Ferry (Fähre) am Fiat head-river, einem der oberen Zuflüsse des Columbia in Montana: Patula strigosa GouLD in eigenthüralicher Färbung. 4. Stillwater am Ye llowst one-riv er, auch noch in Montana, aber schon jenseits des Gebirges im Gebiet des Sitzung vom 21. November 1882, 139 Missouri: Succinea lineata Binney und deren länger gestreckte Abart vermeta Say. 5. Am Little Missouri in Dacota, in 47° Nord- breite: Helixfulva Drav., Helix pulchella mit und ohne Rippchen, Pupa armifera Say, muscorum L. var. bigranota Rossm. , sehr zahlreich, P. pentodon Say var., P. (Vertigo) ilollesiana Morse var. n., und wiederum Succinea lineata Binney. 6. 8. Paul am oberen Mississippi in Minnesota: Helix multilineata Say, Patula alternata Say und Succinea obliqua Say. An beiden Endtheilen , im westlichen bewaldeten Ge- birgsland, No. 1 — 3, und am oberen Mississippi, finden wir somit schon die für Nordamerika charakteristischen grösseren Landschneckenformen, die Gruppen Anguispira (P. alternata, solitaria und strigosa), und Mesodon (H. Columbiana und multi- lineata) ; auch Triodopsis (H. appressa) und Selenites dürfen wir hierher rechnen, da andere Arten derselben Abtheilungen, z. B. H. tridentata und M. concava im Osten ebensoweit nördlich gehen; der Unterschied zwischen dem westlichen Gebirgsland und dem flacheren Osten ist hier noch nicht in den Untergattungen und auch nicht vollständig in den Arten durchgeführt; P. solitaria, striaiella und H. appressa gehören beiden an, und nur H. Town- sendiana selbst mit ihrer Varietät ptijchophora, welche bis jetzt nur etwas südlicher, von den Bitterroot - Mountains zwischen Montana und Idaho , bekannt war , repräsentirt eine in Nord- amerika dem Westen ausschliesslich eigenthümliche Arten- gruppe, die man bis jetzt gewöhnlich mit unserer europäischen H. arbusiorum zusammengestellt hat; doch nähert sich gerade diese Art auch schon in Sculptur und Mundsaum den allge- mein-nordamerikanischen Mesodon. Noch weniger ist hier im Norden ein auffälliger Unterschied zwischen der Küste, No. 1, Binney's pacifischer Provinz, und dem inneren Gebirgsland, No. 2 und 3, Binney's Centralprovinz, zu bemerken. In der Mitte der Route, No. 4 und 5, schiebt sich nun die Prairie ein, und da wurden von dem Reisenden gar keine grösseren Landschnecken gefunden, sondern nur die kos- mopolitische Gattung Succinea, die circumpolaren kleinen Helix pulchella und fulva, die Europa und Nordamerika gemeinsame, hier wahrscheinlich auch nicht erst durch Menschen eingeführte 140 Gesellschaft nalurforsch ender Freunde. (Binney) Pupa muscorum und drei weitere Arten , von denen auch zwei in für Europa und Nordamerika gemeinsame Formenkreise gehören , nur die dritte und grösste , Pupa armifera, ausschliesslich nordamerikanisches Gepräge hat. Ab- gesehen von dieser einen Art, könnte man beim ersten An- blick der am Little Missouri gesammelten Schnecken ebenso gut glauben, sie stammen aus den Anschwemmungen eines Flusses in Deutschland oder gar aus dem Löss, wozu nur Helix hispida fehlt; denn auch Succinea lineata und namentlich ihre Abart vermeid steht der europäischen oblo7iga nahe und noch näher einigen centralasiatischen, ebenfalls rauhstreifigen Succi- neen. Es scheint demnach der circum polare Charakter der Fauna, welcher etwas nördlicher ebenso in der Waldzone als in den harren grounds der Hudsonsbailänder auch bei den hö- heren Thieren so entschieden hervortritt, für die Landschnecken sich auch noch bis in das Prairiegebiet auszudehnen. Ueber die einzelnen Arten ist noch Folgendes zu bemerken: Pattila so litaria Say var. Occidetitali s i\. Die bei Crossing gesammelten Stücke dieser Art zeigen durchschnittlich ein verhältnissmässig höheres (jewinde und engeren Nabel (Höhe 19, grösster Durchmesser 24 mm), sowie eine mehr kastanienbraune Grundfarbe, weshalb die Bänder weniger hervortreten, im Vergleich zu Exemplaren von Öst- licheren Fundorten. Patula strigosa Gould var. Die Exemplare vom Flathead - river zeigen ein breites kastanienbraunes Band auf der Oberseite und ein zweites solches unterhalb der stunmpfen Kante; ein breiter Zwischen- raum in der Peripherie und der grössere Theil der Unterseite ist sehr blassgelb. Vertigo Bollesiana Morse var. Arthuri n. Testa ovata, striatula, perforata, anfr. 5, tumiduli, aper- tura subtriangulari , margine externo intus incrassato, plicis palatalibus 2, columellaribus 2, supera majore, parietali 1 valida. Long 1 ^/^, diam. Vs, apert. V2 mm. Sitzung vom 21. November 1882. 141 Little Missouri, Dacota, leg. Arthur Krause. Durch den stark verdickten Aussenrand und etwas stär- kere Bezahnung von dem Typus der Art verschieden. Pupa muscorum L. var. higranata RosSM. Nach dem ürtheil von Dr. E. Böttger ist P. Blandi Morse von den Anschwemmungen des oberen Missouri bei Fort Berthold, also nahe unserem Fundort 5, auch nicht von dieser europäischen Form zu unterscheiden. Pupa pentodon Say var. Das einzige vorliegende Exemplar von Little Missouri ist verhältnissmässig klein und schlank, 1 V2 i^iii^ lang und 1 mm breit, und zeigt eine stark ausgebildete dicke, dreieckige Pa- rietallamelle, daher Dr. 0. Böttger geneigt ist, es für eine eigene Art zu halten. Doch variirt Pupa peniodon überhaupt in Grösse und Bezahnung beträchtlich (vergl. Binney, terr. airbreath. Moll. 1878. pag. 200). Von in mehr besuchten Gegenden gesammelten Land- schnecken mögen noch /hdimus fallax Say am Niagara, die kalifornische Helix ramentosa Gould im Centralpark in New York, vermuthlich mit Pflanzen eingeschleppt, und die von Dr. AüREL Krause gesammelte grosse Helix exarata Pfr. von S. Francisco, sowie Selenites sportella Gould von Taylorville bei S. Francisco erwähnt werden. Der Letztgenannte nahm den Heimweg im Juni 1882 über Panama und sammelte daselbst eine Anzahl von Meeres- Conchylien, deren Liste hier folgt; P bezeichnet die bei Pa- nama selbst, L die bei la Libertad, Hafenstadt von S. Sal- vador, Ac. die bei Acapulco an der Westküste Mexiko's ge- sammelten; alle gehören demnach dem stillen Ocean an: Conus puncticulatus Hw ASS. L. Ptirpu7'akiosquifor7msDvCL.F.h. „ gladiator Brod. L. Monoceros cingulatum Lam. Ac. Purpura undata (Lam. ?) Rv. Nassa collaria A. Ad. P. P. L. „ versicolor C. B. Ad. P. 142 Gesellschaft naturforschender Freunde. Columbella costulata Sow. P. „ varia Sow. P. „ crihraria Lam. P. „ fuscata Sow. L. Oliva araneosa Lam. L. Ranella caelata Brod. L. „ muriciformis Brod. P. Oniscia tuberculosa Sow. L. Cypraea Arabicula Lam. L. „ pustulata Lam. L. „ (Trivia) Pacißca Gray. Ac. Ovula avejia Sow. L. Natica glauca Val. L. Cerithium maculosum Kien. Ac. „ ocellatum Brüg. P. „ interruptum Menke. L. Cerithiopsis neglecta C. B.Ad. L. Pianazis planicostatus Sow. L. Litorina aspera Phil. L. „ conspersa Phil. L. Crepidula aculeata Gmel. L. „ Lessoni Brod. L. „ adunca Sow. L. „ incurva Brod. L. „ squama Brod. P. Crepidula ffoliacea Rv. P. Crucibulum imbricatum Brod. L. Hipponyx barbatus Sow. L. Ac. Nerita ornata Sow. L. Neritina globosa Brod. L. Trochus reticulatus Wood. L. Fissurella mus Reeve. L. „ macroirema Sow. L. Patella vespertina Rv. L. Chiton rugulatus Sow. P. Siphonaria gigas Sow. L. „ pica Sow. L. Bulla punctulata A. Ad. L. Ferna Californica Conr. P. Area ? tuberculosa Sow. L. Cardium Panamense Sow. P. Cytherea radiata Sow. L. Venus grata Say. P. „ histrionica Brod. P. Mactra carinulata Desh. P. Donax p)unctatostriatus Hanl. P. L. Tellina fausta Dillw. P. Corbula ovulata Sow. L. Die meisten dieser 55 Arten sind charakteristisch für die Westküste Amerikas in den wärmeren Zonen und auch früher schon daselbst, theilweise südlicher an den Küsten Ecuadors und des nördlichen Peru schon von Cümikg, theilweise nördlicher an denen von Central- Amerika, Mexiko und Kalifornien von Anderen (siehe Carpenter's Zusammenstellungen im Report of the British Association for 1856 und in Smithsonian miscel- laneous coUections No. 252, 1872) gefunden worden. Von der indisch-polynesischen Fauna sind sie ganz verschieden ; nur Crepidula aculeata ist eine in der warmen Zone überhaupt weit verbreitete, sozusagen circumtropische Art (der Vortragende Sitzung vom 21. November 1882. 143 fand sie z. B. zahlreich bei Rio de Janeiro) und die Gattung Mo- noceros ist dadurch interessant, dass sie an der Westküste Amerikas von der Magelhaenstrasse über Chile und Peru durch die Tropenzone hindurch bis Kalifornien verbreitet ist, sonst aber nur in der südlichen gemässigten Zone vorkommt. Zwi- schen diese eigenthümlich westamerikanischen Arten aber drän- gen sich nun in Central- Amerika einige andere ein, welche mit den jenseits der Landenge im mexikanischen Meerbusen und karaibischen Meere lebenden theils vollständig identisch sind, wie Columbella cribraria und Teilina fausta, theils von solchen so wenig verschieden , dass sie eben nur bei gutem Willen und nur, wenn man schon vorher den Fundort kennt, mit einiger Zuversicht als Arten von ihnen getrennt werden können ; so verhält sich z. B. Trochus reticulatus Wood zu viridulus Gmel., Oliva araneosa Lam. zu reticularis Lam. Dieses deutet auf einen nicht allzufern zurückliegenden directen Zu- sammenhang zwischen den beiderseitigen Meeren , die ganz oder beinahe übereinstimmenden Arten sind aber doch auch bei Panama in der Minderheit gegenüber den wesentlich ver- schiedenen. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Leopoldina, XVIII, 19—20. October 1882. Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklen- burg, 35. Jahrg. 1881. 59. Jahresbericht d. schles. Gesellschaft f. vaterländ. Cultur. Breslau, 1881. Berichte des naturwissensch. - medicin. Vereins in Innsbruck, 12. Jahrg. 1881—82. Botanisk Tidskrift, Kjöbenhavn, XIII., 2. 1882. Meddelelser fra den botaniske Forening. Kjöbenhavn, No. 1. September 1882. Memoires de l'Academie imper. des sciences de St. Petersbourg, XXX., 3 u. 5. 1882. 144 Gesellschaft nati/rforsch ender Freunde. Bulletin de l'Academie imper. des sciences de St. Petersbourg, XXVIII., 2. 1882. A. Todaro, Hortus botanicus Panormitanus, IL, 3. 1882. Annales de la Societe d'agriculture, bist. nat. et arts de Lyon, 1880. Periodico zoologico , Organo de la Sociedad Zoologica Argen- tina, III., 4. G. VOM Rate , Naturwissenschaftliche Studien. Erinnerungen an die Pariser Weltausstellung von 1878. A. Nehring, Ueber die letzten Ausgrabungen bei Thiede. 1882. Druck von J. F. Slarcke in Berlin. Nr. 10. 1882. S i t z u II g s - B e r i c h t der (jesellschaft iiaturforscheiider Freunde zu Berlin vom 19. December 1882. Director: Herr Websky. Herr W.Peters legte drei neue Batracliier (Am- hly Stoma Kraiisei, Nyctihatrachus sinensis, Bufo Buchneri) vor. Amhly Stoma Kr au sei n. sp. A. nigricans, taenia dorsali ochracea, lateribus, artubus gastraeoque ßavopunctaiis ; dentibus vomerinis convergentibus, inter choanas positis. Habitatio: Buffalo (Jmerica septemtrionalis). Schnauze breit abgerundet mit verstrichenen Canthi rostrales. Augen seitlich, Interorbital räum und Entfernung der Augen von dem Schnauzenende gleich einem Augendurchmesser. Eine Reihe von Poren über und unter dem Auge. Aeussere Nasen- öffnungen einander viel näher als die inneren. Zunge dick, breit und befestigt, nur in der Mitte der Seitenränder frei; Zungenfältchen von dem hinteren Theile der Zunge ausstrah- lend. Vomerzähne in zwei, zwischen den Choanen nach vorn convergirenden Haufen, welche nicht bis an den inneren Rand der Choanen, aber nach hinten über dieselben hinausragen. Jeder Zahnhaufen wird aus zwei bis drei Reihen zusammen- 9 146 Gesellschaft naturforschender Freunde. gesetzt und bildet eine nach aussen etwas concave Linie. Die Kopfbreite ist 4-/3 iiial in der Entfernung des Schnauzenendes von der Inguinalgrube enthalten. Die l'arotoiden sind flach, undeutlich. Körper mit 12 Costalfalten zwischen den vorderen und hinteren Gliedmassen und einer deutlichen Spinalfurche. Schwanz stark zusammengedrückt. An der Hand- und Fuss- sohle keine Höcker. Finger und Zehen schlank, die vierte Zehe aus vier Phalangen zusammengesetzt. Oben dunkelbraun , mit einer ochergelben Längsbinde, welche auf der Schnauze breit beginnt und auf dem Schwänze linienförmig endigt. Körper- und Schwanzseiten, sowie die Gliedmassen gelb punktirt; Unterseite heller braun, gelb punk- tirt und besprengt. Masse des vorliegenden Exemplars , dessen Schwanz- ende fehlt: Von dem Schnauzenende bis zur Analöffnung 5 cm; Kopf- länge 11 mm; Kopfbreite 9 mm; Entfernung der vorderen von der hinteren Extremität 27 mm; vordere Extremität 19 mm; Hand 7 mm; hintere Extremität 19,5 mm; Fuss 8mm; vierte Zehe 6 mm; Schwanzhöhe 5 mm. Ein einziges Exemplar von Montana, an dem Flatheads- river, durch die Herren Dr. Krause, welche ausserdem von Reptilien einen Crotalus conßueiitus Say aus Dacota, vom Little Missouri und einen Tropidonotus sirtalis Linn£ aus Buffalo, von dem Niagara fall, heimbrachten. Nyctib atrachus si7ie7isis n. sp. N. acervulis dentium xwinerbiorum inter choanas convergen- tibus, digito primo secundo longiore, podariis totopalmatis ; fuscus nigrovariegatus, subtus ßavidus, submento artubusque maculatis. Habitatio: Mons Lofau (Promncia Canton). Die Vomerzähne bilden zwei nach vorn zwischen den Choanen convergirende Reihen, welche nach hinten dieselben überragen. Zunge oval , hinten tief ausgeschnitten. Habitus von N. major. Schnauze stumpf, Yorderende von den Augen um einen Augendurchmesser entfernt. Canthi rostrales abge- rundet. Pupille rundlich. Interorbitalraum so breit wie ein Sitzuny vom 19. Decemher 1882. 147 Augenlid. Letzteres glatt, vorn und hinten mit einer Quer- falte. Trommelfell, wie bei den anderen Arten, versteckt. Der erste Finger ein wenig länger als der zweite, und merklich von dem vierten überragt. Anschwellungen der Finger und Zehenspitzen sehr klein. Zehen bis zu den Endscheiben durch Schwimmhäute vereinigt; der Metatarsus der ersten Zehe mit einem linearen Längsvorsprung. Die subarticularen Vorsprünge der Finger und Zehen sind wohl entwickelt. Die hintere Extre- mität reicht mit dem Hacken bis an den vorderen Rand des Auges. Das knöcherne Sternum ist ebenso breit wie lang. Farbe dunkelbraun mit dunkeln Flecken und Binden, dar- unter eine Binde zwischen den hinteren Theilen der Augen, eine andere von dem Auge nach der Achsel, eine von dem Auge nach der Schulter und andere unregelmässige quere auf dem Rücken. Lippenränder mit breiten Flecken und die Oberseite der Gliedmassen mit Querbinden. Hinterseite der Ober- schenkel auf schwärzlichem Grunde hell marmorirt. Unterseite gelblich, Unterkinn und Kehle mit grossen zusammenfliessenden Flecken, Seiten der Oberschenkel, die Unterschenkel und die obere innere Seite des Fusses nebst den Zehen schwarz gefleckt. Totallänge 52 mm; Kopflänge 17 mm; Kopfbreite 20 mm; vordere Extremität 30 mm; Hand 13 mm; hintere Extremität 82 mm; Fuss 37 mm. Ein weibliches Exemplar aus dem Lof au -Gebirge in der Provinz Canton (China). liufo Buchneri n. sp. B. regulari similis , membrana tijmpani disiincta, digito primo secundo breviore, regione interorbitali palpebra latiore. Habitatio: Lunda (^Jfrica occidentalis). Oberkopf ohne Knochenleisten. Schnauze so lang wie ein Augendurchmesser, Naslöcher um zwei Drittel desselben von einander entfernt, Interorbitalraum gleich 1 V2 Breite des oberen Augenlides. Trommelfell ganz frei, höher als lang, in seinem grössten Durchmesser gleich ^U eines Augendurchmessers. Parotoiden lang und sehr schmal. Obere Augenlider und der ganze Körper, oben, seitlich und unten, eben so auch die 148 Gesellschaft natu7\forschender Freunde. Gliedmassen dicht granulirt. Der erste Finger deutlich etwas kürzer als der zweite, welcher von dem vierten überragt wird. Fingersohlen mit ein bis zwei Reihen von Tuberkeln ; an der Handwurzel ein Tuberkel. Zehen fast bis zur Mitte , bis zur Basis der zweiten Phalanx der vierten Zehe mit Schwimm- häuten versehen. Am inneren Rande des Tarsus eine schwache granulirte Leiste. An der Basis des Metatarsus der ersten Zehe ein mehr entwickelter, an der der äusseren ein schwä- cherer Höcker, beide granulirt. Rothgelb, mit schiefstehenden schwarzen Flecken, welche inwendig nach vorn gerichtet sind; zwischen dem hinteren Drittel der Augen und über dem Trommelfell nach hinten con- vergirende Flecke. Eine schwarze Binde unter dem Canthus rostralis, welche von dem Lippenrande zu den Naslöchern heraufsteigt. Lippenränder mit drei grossen Flecken oder Querbinden. Unterseite schmutzig braungelb, ohne Flecke. Totallänge 48 mm; Kopflänge 13 mm; Kopfbreite 17 mm; vordere Extremität 34 mm; Hand 13 mm; hintere Extremität 60 mm; Fuss 29 mm. Ein einziges weibliches Exemplar, aus Lunda (W. Africa), von Herrn Dr. Buchner entdeckt. Auch diese Art hat auf den ersten Blick die grösste Aehn- lichkeit mit B. regularis Reuss, ist aber durch die hervor- gehobenen Merkmale gleich davon zu unterscheiden. Herr W. PETERS machte ferner eine Mittheilung über das Vorkommen von Pterygoidal- und Palatinal- zähnen bei einigen Uropeltacea. In einer Sammlung ostindischer Schlangen , welche das zoologische Museum neuerdings erworben hat, befindet sich ein wohlerhaltenes Exemplar von Melanophidium pimciatum Bed- DOME (Proc. Zool. Soc. London. 1875 p. 230, Taf. 32. Fig. 2), welches mir die lange gewünschte Gelegenheit gab, das Gebiss dieser Gattung zu untersuchen. Wie ich vermuthet hatte, sind auch die Flügel- und Gaumenbeine derselben bezahnt, so dass die Charakteristik der Uropeltacea in dieser Beziehung modi- ficirt werden muss. Es ist übrigens nicht die einzige Gattung der Uropeltacea, welche Gaumenzähne zeigt, da ich dieselben, Sitzung vom 19. Deeember 1882. 149 zwar weniger zahlreich , auch bei Plntyplectrums madurensis Beddome finde. O'Shaugunessy hat (The zoological record for 1875. pag. 101) die Gattung Melanojihidhim von den Uro- peltacea getrennt und zu den Calamariae gestellt, ohne dafür irgend einen Grund anzuführen. Auch dürfte diese Ordnung sich nicht rechtfertigen lassen, obgleich Melanoplüdium im Ha- bitus sich den Calamariae mehr annähert. Der Mangel eines vom Schädel losgelösten Temporale ist immerhin ein wichtiges Merkmal, welches die Uropeltacea von den Calamariae trennt. Herr Gr. SCHACKO legte 11 Stück S an dp r oben aus der Nordsee vor, welche Herr Telegraphen -Director Dr. Lasard zur Untersuchung eingesandt hatte. 10 Stück waren zwischen 52 48' Breite und 3^4' Länge und 52^ 48' Breite und 3« 9' Länge, 1 Stück zwischen 52'^ 43' Breite und 2^ 50' Länge dem Boden der Nordsee entnommen, und theilen sie sich in voll- ständig quarzsandige und thonige kalkhaltige Grundproben. Die gegenseitige Entfernung der entnommenen Proben ist im Verhältniss nur eine sehr geringe , und dennoch tritt Thon und Sand scharf abgeschnitten hier auf. Dies ist durch den Ort der Entnahme bedingt, indem nach Osten sich die auf der Karte bezeichneten „Breiten Vierzehn" vorfinden, welche etwa 14 Meter Tiefe haben, eine grosse Sandebene bildend, die sich an der Küste von Holland entlang zieht, weit bis nach Norden geht und im Westen ihren Abschluss findet in den vorher angeführten Breiten. Von hier bis zur Küste treten dann die tiefer gelegenen Thone auf in Bezeichnung „die tiefe Rinne", welche sich im Westen an die Küste Englands an- lehnt, gegen Norden und Osten sich in verschiedene parallele Rillen spaltet. Dem Ost-Theil der tiefen Rinne sind vorlie- gende 8 Stück Grundproben thoniger Beschaffenheit entnom- men, wahrscheinlich aus einer Tiefe von 20 — 22 Meter, wäh- rend 2 Stück Grundproben, die der „Breiten Vierzehn" wohl angehören mögen, aus nicht mehr als 14 Meter Tiefe stammen. ] 50 Gesellschaft naturforschend er Freunde. Sandproben. I. Grundprobe. Reiner Quarz-Sand, nicht sehr abgerundet, enthält Conchylien- Fragmente : Mya , Tellina fabula Grokov. Seeigel: Stachel von Echinocardium cordatum Moller. — Foraminiferen: Rotalina Beccarii L., Miliolina seminulum L. II. Grundprobe. Quarzsand gelblich, abgerundet, wenig Frag- mente von Muscheln enthaltend: Solen ensis. — Forami- niferen: Rotalina /»eccarii L., Miliolina seminulum L. — Osiracoda: Cythere crispata Brady , 1 Exemplar, Cy- therideis torosa Rupert Jokes, 1 Schalenklappe. Letztere wurde zuerst (Entonostraca of the Tert. Foraminif.) von R. Jones im Pleistocene-Sand von Essex angetroffen, später aber auf der Sandbank bei Gravesend lebend gefunden. Es ist also eine Brakwasser-Ostracode der Themse und ist wohl das aufgefundene Exemplar nur bis tief in die Nordsee ge- schwemmt. In der Ostsee, im kurischen Haff, habe ich in letzter Zeit Cytherideis torosa in Menge angetroffen , lebend im Bagger-Sande zur Gewinnung des Bernsteins bei Schwarzort. III. Grundprobe. Aeusserst fein zerriebener Quarzsand ohne Kalkgehalt, wohl durch Eisen gelbbraun gefärbt. T h n - S a n d e. No. 66. Thoniger Sand, trocken, fest und hart, leicht löslich im Wasser; enthält Diatomeen, Bruchstücke von Echi- nocardium cordatum, 1 gut erhaltenes halbes Exemplar von Donax anatinus Lam. und eine Foraminifere: Ro- talina Beccarii L. No. QQ. Etwas eisenschüssiger Thon mit feinem Quarzsand gemischt. Tellina Bruchstück (tenuis Mat.), Rota- lina Beccarii und Miliolina seminulum; Echinocardium- Stachel. No. 96. Thonsand, fein; Fragmente von i)owa^; Foraminiferen: Nonionina crassa, 1 Exempl. ; Rotalina Beccarii L. No. 99. Thonsand, kalkhaltig) Conchyl: Natica Alderi; Stacheln von Echinocardium cordatum und eine Foraminifere: Rotalina Beccarii. Sitzumj vom 19. December 1882. 151 No. 6. Gelbgrauer, mergeliger, wenig Quarzsand enthaltender Thonsand; Diatomeen; Foraminiferen: Rotalma inflata Will., 1 Exemplar; Rot. Beccarii L.; Conchylien : Solen ensis L., Cardium edule L., Notica Alderi Forb. No. 84. Feiner Schlamm, Thon, viel Kalk enthaltend, mit Muschelresten. No. 56. Thon, sandig, fein, mit Muschelresten; Foraminiferen: Nonionina crassa Will., Rotalina Jieccarii L. Grundprobe 52» 43' und 2" 50' gehört wohl der „tiefen Rinne an. Sehr feiner hellgrauer Thonmergel, wenig Quarz enthaltend, aber viel Kalk ; zeigte keine Einschlüsse. Herr V. MARXENS machte einige Bemerkungen über die Fauna des schwarzen Meeres überhaupt im Vergleich zu denjenigen des Mittelmeeres und der nördlicheren Meere. Allerdings können einige Thierarten angeführt werden, welche im schwarzen Meere und in der Nordsee leben, ohne dass sie bis jetzt auch aus dem Mittelmeere bekannt wären; L. v. Graff's neue Monographie der rhabdocoelen Strudelwürmer führt z. ß. die Gattungen Nadina, Mecynostoma, Macrosioma, Pseudorhynchus und Acrorhynchus als solche an; aber es bleibt hier immer die Frage, ob dieselben nicht auch im Mittelmeere noch aufzufinden sind, zumal da gerade auf diese Thierformen am Mittelmeere noch wenig geachtet worden ist. Wenn wir dagegen diejenigen Thiere hauptsächlich berücksichtigen, welche am leichtesten zu erlangen, zu untersuchen und zu conserviren sind, und daher wohl verhältnissmässig schon am vollstän- digsten aus jenen Meeren bekannt sind, also die Fische, die grösseren Crustaceen, die Schnecken und Muscheln, so zeigt sich , dass mit wenigen Ausnahmen das schwarze Meer keine ande'ren Arten hat, als das Mittelmeer, aber doch bedeutend weniger. Die am längsten schon aus dem schwarzen Meer be- kannten, daher dort wohl häufigen und weit verbreiteten Con- chylien stimmen auflallig mit denen des oberen adriatischen Meeres überein, z. B. Pecten glaber , CeritMum scabrum u. a., und ebenso zeigt sich eine üebereinstimmung zwischen beiden in den grösseren Gobius - Arten (Gobius Iota Val. = ophioce- phalus Fall.), in der Häufigkeit der Pleuronectiden, in dem 152 Gesellschaft naturforschender Freunde. Vorhandensein mehrerer Stör -Arten. Das schwarze Meer und der obere Theil des adriatischen haben eben die flachen Küsten und das Einmünden grosser Ströme miteinander ge- mein , einigermaassen auch niedrigere Wintertemperatur als sonst im Mittehneer ; eben deshalb spielen in beiden eine Anzahl Thierforraen eine grosse Rolle , welche eben einen solchen Boden und solche physikalische Verhältnisse des Was- sers , wie sie durch die Flussmündungen gegeben sind, lieben. Da unsere Nord- und Ostseeküsten nun auch ähnliche Bedin- gungen zeigen , so muss auch eine gewisse Analogie in den vorherrschenden Thierformen vorhanden sein (wozu im oberen adriatischen Meere auch noch eine merkliche Ebbe und Fluth kommt). Wo aber im schwarzen Meer eine günstig gele- gene Felsenküste näher von Zoologen untersucht worden ist, da schwindet auch sofort der einerseits arme , andererseits adriatisch- nordische Charakter der Meeresfauna, und es tritt eine vollere Uebereinstimmung mit dem Mittelmeer im Allge- meinen ein, soweit es sich um die oben bezeichneten Thier- klassen handelt, während das Auffinden von neuen, d. h. aus dem Mittelmeer noch nicht bekannten Würmern , Bryozoen u. dergl. vielleicht mehr der Intensität des Suchens, als einem geographischen Unterschied zuzuschreiben ist. Das schwarze Meer verhält sich demnach sehr ähnlich zum Mittelmeer, wie die Ostsee zur Nordsee; es hat typisch dieselbe, aber durch physikalische Verhältnisse mehr oder weniger ärmere Fauna; der erste Eindruck ist der einer grösseren Ungleichheit und Armuth, welcher auch für viele Stellen zutrifft, aber bei ge- nauerer Untersuchung der günstigsten Stellen (Kiel und Krimm) steigt die Uebereinstimmung bedeutend. Das asow'sche Meer ist dem finnischen und botnischen Meerbusen mit ihrer Süss- wasserfauna zu vergleichen. In der Ostsee finden sich nun aber neben den Nordsee- und den Süsswasser-Thieren noch einige, die mit Wahrscheinlichkeit auf eine frühere Verbindung mit dem Eismeere zurückweisen, so Cottus quadricomis und Idotea entomon. Es fragt sich nun , ob etwas Aehnliches im schwarzen Meere nachzuweisen ist. Druck von J. F. Starcke in Berlin. Date Due MAY 2 OEC 2E*6S fr^Ö '^ 3 2044 106 259 732 M:.:i^p.k%A%^i^,c^ m% ^%M*/^^ 'mm, ■■\y ..^^^r\' w -.;:« .m^.j^i?'